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Virtuelle Plakatausstellung "Das Exotische, das Gewagte"

Wie wurden Filme vor 100 Jahren beworben? Was sagen uns Filmplakate zu Stummfilmen der wilhelminischen Kaiserzeit und der Weimarer Republik darüber, welcher Geist in der damaligen Gesellschaft herrschte?

Das sind die zugrundeliegenden Fragen einer Online-Plakatausstellung, die das der Diversität verpflichtete 360°-Team mit Mitarbeiter*innen der Museumspädagogik des DFF – Deutsches Filminstitut & Filmmuseum verwirklicht hat. Zeugnisse für Blackfacing, Rassismus oder Sexismus gibt es reichlich, das zeigen die ausgewählten Filmplakate. Sie machen die damaligen Macht- und Geschlechterverhältnisse anschaulich, die zum Teil bis heute Gültigkeit haben. Das Projekt ist der Auftakt zu weiteren Vorhaben, die das 360°-Team mit Blick auf mehr Diversität im DFF in den kommenden Jahren plant.

Für die aktuelle Ausstellung untersuchten Mitarbeiter*innen der Museumspädagogik insgesamt zehn Plakate aus den Zehner- und Zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts. Ihre Analysen sprachen sie als Audiobeiträge ein, die auf der Ausstellungswebsite des DFF angehört werden können. Neben den analysierten Filmplakaten aus den Sammlungen des DFF finden sich dort die Scans zahlreicher Originaldokumente, etwa zeitgenössische Rezensionen, zu den besprochenen Filmen.

"Die Filmwerbung und Poster, die wir in den Archiven des DFF – Deutsches Filminstitut & Filmmuseum entdeckt haben, verraten uns heute – das Thema Diversität im Blick –, wie vor 100 Jahren auf die sogenannten 'Anderen' geschaut wurde und welche Werte dabei im Mittelpunkt standen", schreibt Aida Ben-Achour, Outreach-Managerin des 360°-Projekts im DFF, in ihrem einführenden Text. "Die Frage, die wir uns als 360°-Team zusammen mit der Museumspädagogik des DFF heute stellen, ist, welche Bilder sich im kollektiven Gedächtnis unserer Gesellschaft über das Medium Film in den vergangenen 100 Jahren verfestigt haben. Wir fanden Filmposter, die uns Schwarze als Wilde zeigen, Asiat*innen als verschlagen und unaufrichtig darstellten und blonde weiße Frauen als reine Objekte sexueller männlicher Begierde in Szene setzten. Die ausgewählten Filmposter zeigen Darstellungen, die mit Orientalisierung nicht geizen, die offen rassistisch, exotisierend und sexistisch sind. Das Spiel zwischen den Geschlechtern, mit der sexuellen Orientierung und sexuellen Identität wurde entweder zur Belustigung oder zur Stigmatisierung und moralischen Bewertung auf den Postern thematisiert. Die Plakate sind Zeugnis eines ethnozentrischen Blicks, einer Haltung, die bis heute tief in der Gesellschaft verankert ist."

Diese Sichtweise deutlich zu machen, dafür zu sensibilisieren, ist eines der Ziele des 360°-Projekts, das in den kommenden Jahren im DFF weitere Vorhaben plant. Es geht darum, Diskriminierungen offenzulegen, ihnen entgegenzutreten und eine neue Sichtweise mitzuentwickeln, die der Diversität der Gesellschaft gerecht wird.

Mit dem Programm "360° – Fonds für Kulturen der neuen Stadtgesellschaft" unterstützt die Kulturstiftung des Bundes Kulturinstitutionen dabei, sich intensiver mit Migration und kultureller Vielfalt auseinanderzusetzen und neue Zugänge und Sichtbarkeiten für Gruppen der Gesellschaft zu schaffen, die bislang nicht ausreichend erreicht wurden. Das Modellprogramm fördert zu diesem Zweck eine Vielfalt von Ansätzen, die auf die diversitätsbezogene Öffnung in den Bereichen Programm, Publikum und Personal zielen. zur Ausstellung
Textquelle und Bild: DFF – Deutsches Filminstitut & Filmmuseum