kracauer stern berlin 250Was heißt es heute, ‚mit Kracauer‘ ins Kino zu gehen? Die zahlreichen Filmkritiken zum deutschen Kino der Weimarer Zeit, die Kracauer als Redakteur der Frankfurter Zeitung in den 1920er und frühen 1930er Jahren verfasste und auf deren Grundlage er im Exil seine Filmtheorie entwickelte, bilden bis in die Gegenwart einen Ansatz zur Untersuchung der massenkulturellen und zugleich politischen Bedeutung des Kinos.

Als Teil der Internationalen Siegfried Kracauer Konferenz, die vom 19. bis 21. Mai 2022 stattfindet, widmet sich eine begleitende Filmreihe drei Monate lang Kracauers feinem Sensorium für das Reflexionsmedium Film sowie den gesellschaftlichen Sehnsüchten und politischen Verhältnissen, die darin zum Ausdruck kommen.

Als Teil der "Internationalen Siegfried Kracauer Konferenz", die vom 19. bis 21. Mai 2022 stattfindet, widmet sich eine begleitende Filmreihe des DFF – Deutsches Filminstitut & Filmmuseum Kracauers feinem Sensorium für das Reflexionsmedium Film sowie den gesellschaftlichen Sehnsüchten und politischen Verhältnissen, die darin zum Ausdruck kommen.

Im Rahmen der Filmreihe wird am 13. April 2022 um 18:00 Uhr "Das Cabinet des Dr. Caligari" (D 1920) gezeigt. Als eines der prominentesten Beispiele des deutschen Expressionismus im Kino war der Film bereits zu seiner Zeit ein Meilenstein der Filmgeschichte. Jedoch wurde das Werk auch verabscheut. Kracauers Buch "Von Caligari zu Hitler" (1947) verstärkte die Kontroversen um den Film, indem der Autor den Film als Musterbeispiel der erkrankten deutschen Seele und Vorzeichen des Nazismus kritisierte. Doch das Problem scheint komplizierter. Ausgehend von der Heterogenität des filmischen Stils und der fast unendlichen Mehrdeutigkeit der Erzählung lässt sich "Caligari" mit und gegen Kracauer deuten.

Zur Vorführung gibt es eine Einführung und ein Filmgespräch mit Daniel Fairfax (Goethe-Universität Frankfurt) und Nora Neuhaus (Goethe-Universität Frankfurt, Städelschule). Die Veranstaltung findet in Kooperation mit dem Institut für Sozialforschung – IfS statt. Weitere Informationen: www.kracauer-konferenz.de und www.dff.film
Das Bild zeigt den Stern für Siegrfried Kracauer auf dem Potsdamer Platz in Berlin. Foto: Stummfilm Magazin; Textquelle: DFF – Deutsches Filminstitut & Filmmuseum

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In 2022 feiert das "San Francisco Silent Film Festival" (SFSFF) vom 05. bis 11. Mai sein 25-jähriges Jubiläum.

Mit seinem fachkundig und vielfältig kuratierten Programm zählt es zu den bedeutendsten Stummfilmereignissen weltweit. Seit vielen Jahren ist dort auch Günter A. Buchwald mit seinen musikalischen Begleitungen dabei. Stummfilm Magazin sprach mit dem Stummfilmmusiker über das Festival.

"Das Besondere der Veranstaltung beginnt schon bei der Location: Das Castro Theatre ist legendär, im Zentrum der Hippiebewegung der 1970er Jahre gelegen, aber noch viel älter. Und es hat einen enormen Zuspruch: Zu den Vorstellungen des SFSFF kommen 1.200 Zuschauer in den opulenten Kinosaal, ob morgens, mittags oder abends. Und der Green Room ist ein Ort der Kommunikation, der Begegnung mit Veranstaltern, VIPs und Kolleg*innen. Das SFSFF ist ein pulsierendes, lebendiges Festival mit einem wunderbar zusammengestellten Programm!" zum ganzen Interview
Foto: Klaus Polkowski 

filmstreifen 02 250Die kanadische Schauspielerin und Filmproduzentin Mary Pickford wurde  am 08. April 1892 als Gladys Louise Smith in Toronto geboren.

Sie zählt noch heute zu den populärsten Stars des frühen Kinos. Ihre Filmkarriere begann 1909 unter D. W. Griffith. Sie spielte unter anderem in den Stummfilmen Der kleine Lord (USA 1921), Rosita (USA 1923) von Ernst Lubitsch und, zusammen mit ihrem Ehemann Douglas Fairbanks sen., in The Goucho (USA 1927).

Pickford war zudem Gründungsmitglied der Academy of Motion Picture Arts and Sciences ("Oscars") und der Filmgesellschaft United Artists. Sie starb am 29. Mai 1979 in Santa Monica (Kalifornien). mehr
Foto: Stummfilm Magazin

klavier 1 250Am Sonntag, den 10. April 2022, ist um 18:00 Uhr im Berliner Arsenal Kino "Die Frau, nach der man sich sehnt" mit Livemusikbegleitung zu erleben.

Der deutsche Spielfilm aus dem Jahr 1929 ist einer von Marlene Dietrichs letzten Stummfilme und ihre erste Titelrolle. Schon ein Jahr später startete ihre Karriere mit dem Tonfilm-Welterfolg "Der blaue Engel" (D 1930) von Josef von Sternberg. An der Seite von Marlene Dietrich sind Fritz Kortner, Frida Richard und Oskar Sima zu sehen. Live zum Geschehen auf der Leinwand spielt die die renommierte Pianistin und Komponistin Eunice Martins. mehr
Bild: Stummfilm Magazin

filmspule bunt 250 1Aktuelle und interessante Veröffentlichungen rund um das Thema "früher Film" gibt es im Netz zu entdecken. Hier eine frische Auswahl. Viel Spaß beim Lesen!

♦ Der Filmhistoriker Dr. Rolf Giesen spricht im Deutschlandfunk Kultur über Friedrich Wilhelm Murnaus "Nosferatu", der vor hundert Jahren in die Kinos kam. dieostschweiz.ch stellt die Filmmusiker*innen Maria Garbini und Dany Kuhn vor, die sich dem Vampirfilm angenommen haben. Und rbbeins führte ein Radiointerview mit dem Stummfilmmusiker Stephan Graf von Bothmer über "Nosferatu" und seine Musik zum Film.

♦ Die Süddeutsche Zeitung erinnert an die Filmschaffenden Isidor Fett und Karl Wiesel, die 50 Stummfilme produzierten und zu den Gründungsvätern der Bavaria Film zählen. mehr

♦ "Queen Kelly" (USA 1928/29) von Regiseur Erich von Stroheim und mit Gloria Swanson in der Hauptrolle gehört zu den berühmtesten skandalumrankten und unvollendeten Produktionen der Stummfilmära. Die Süddeutsche Zeitung erinnert.

♦ welt.de stellt die berühmte Szene auf der Treppe von Odessa aus "Panzerkreuzer Potemkin" (UdSSR 1925, Regie: Sergei Eisenstein) vor. mehr

SWR2 portraitiert den Filmsammler Frank Becker und gibt einen Einblick in dessen privates Filmarchiv. mehr
Foto: Stummfilm Magazin

meer wasser 250Der US-amerikanische Stummfilm "20.000 Meilen unter dem Meer" wird am 25. März 2022 im Leipziger Kulturhof Gohlis mit live Musikbegleitung gezeigt.

Regisseur und Drehbuchautor Stuart Paton orientierte sich bei der aufwändigen Produktion an den fantastischen Romanen "20.000 Meilen unter dem Meer" und "Die geheimnisvolle Insel" des französischen Schriftstellers Jules Verne. Der Abenteuerfilm von Produzent Carl Laemmle wartet mit seinerzeit innovativen Unterwasseraufnahmen auf. 2016 wurde der Film in das National Film Registry aufgenommen.

Live zum Geschehen rund um den legendären Kapitän Nemo spielen die Musiker Matthias Hirth (Komposition, Keyboards) und Michael Plättner (E-Gitarre, Synthesizer). mehr
Foto: Stummfilm Magazin

filmstreifen 02 250Roscoe „Fatty“ Arbuckle wurde am 24. März 1887 in Smith Center (US-Bundesstaat Kansas) geboren.

Arbuckle war einer der großen Komödianten der Stummfilmära. Zu seinen Filmpartnern gehörten Charlie Chaplin, Buster Keaton, Ben Turpin, Stan Laurel und Oliver Hardy.

Seine Karriere endete abrupt, als er 1921 des Mordes an der Schauspielerin Virginia Rappe bezichtigt wurde. Er starb am 29. Juni 1933 in New York City. mehr
Foto: Stummfilm Magazin

roter vorhang 10 250Vom 19. April bis 09. Mai 2022 wird im Metro Kinokulturhaus die Filmschau "Max Neufeld – Schauspieler, Regisseur, Pionier" gezeigt.

Kein zweiter österreichischer Filmschaffender, dessen Laufbahn im frühen Stummfilm begann, konnte sich über einen so langen Zeitraum in der Gunst des Publikums und der Produzenten halten wie Max Neufeld. Der heute nahezu vergessene Leinwand- und Regiestar zählt zu den Produktivsten seiner Zunft, seine Karriere erstreckt sich über vier Jahrzehnte und sechs Länder.

Von den frühen 1910er- bis in die späten 1950er-Jahre wirkt er an über 100 Filmen mit und prägt als Regisseur der Vita-Filmindustrie AG die frühe Geschichte der Rosenhügel-Studios und damit die österreichische Filmlandschaft. Das Filmarchiv Austria widmet Max Neufeld eine Retrospektive ausschließlich mit Kopien aus der eigenen Sammlung.

filmmuseum potsdam fotonachweis F J Leopold FMP 250Am Samstag, den 26. März 2022, ist um 19.00 Uhr der schwedische Stummfilm "Mädchen im Frack. Eine sommerleichte Filmgeschichte" (1926) im Kino des Filmmuseum Potsdam zu sehen.

Die schwedische Filmkomödie steht nicht nur auf der BFI-Liste von zu Unrecht übersehenen Filmen von Regisseurinnen, sondern rückt auch im Stummfilm selten zu findende Themen wie Solidarität unter Frauen, Gender-Rollen und Ehelosigkeit bei Frauen in den Vordergrund: Katja, die gerade ihren Schulabschluss macht, rebelliert gegen ihren patriarchalen Vater und gegen die provinzielle Moral ihrer Kleinstadt. Humorvoll und gleichzeitig mit Tiefgang erzählt Karin Swanström von Generationenkonflikten, Feminismus und Widerstand. Der Film wurde 2008 vom Svenska Filminstitutet restauriert und war 2021 der Eröffnungsfilm der Internationalen Stummfilmtage in Bonn.

Eine Begrüßung hält Oliver Hanley. Die Aufführung findet in Zusammenarbeit mit dem Förderverein Filmkultur Bonn e.V. statt. Das Filmmuseum Potsdam empfiehlt eine rechtzeitige Ticketreservierung und bittet um die Einhaltung der gängigen Schutzmaßnahmen. mehr
Textquelle: Filmmuseum Potsdam; Foto: F. J. Leopold/Filmmuseum Potsdam

m cine fotonachweis gregor kaluza 250Am Samstag, den 26. März 2022, wird im Capitol-Kino in Aachen Buster Keatons "Der Kameramann" mit live Musikbegleitung gezeigt.

Regisseur Edward Sedgwick drehte den US-amerikanischen Comedy-Klassiker im Jahr 1928. Der Film war Buster Keatons erste Produktion für das Studio Metro-Goldwyn-Mayer und seine letzte mit weitgehender künstlerischer Freiheit. 2005 wurde "Der Kameramann" in das National Film Registry aufgenommen.

Vertont wird der Stummfilm von dem 2002 gegründeten Duo M-cine: Katharina Stashik am Saxophon und Dorothee Haddenbruch am Klavier. Die zwei Musikerinnen, die sich an der Musikhochschule Köln kennengelernt haben, verbinden klassisches musikalisches Handwerk mit Improvisation. mehr
Foto: Gregor Kaluza

filmstreifen bunt 10 250Der deutsche Schauspieler Rudolf Lettinger starb am 21. März 1937 in Berlin.

Er war unter anderem in Fritz Langs Abenteuer-Zweiteiler Die Spinnen (1919/20), Das Cabinet des Dr. Caligari (1920) von Robert Wiene, Nathan der Weise (1922) von Manfred Noa und Luther – Ein Film der deutschen Reformation (1928) von Hans Kyser zu sehen. Er wurde am 26. Oktober 1865 in Hamburg geboren. mehr
Foto: Stummfilm Magazin

babylon kino 250Die rekonstruierte Ursprungsfassung von "Das neue Babylon" wird am 20. März 2022 im Berliner Babylon Kino gezeigt.

Das sowjetische Stummfilmdrama von Grigori Kosinzew und Leonid Trauberg kam 1929 in die Kinos. Zur Aufführung kommt die ungekürzten Originalkomposiition von Dmitri Schostakowitsch in einer Neueinrichtung von Hans Brandner. Es spielt das Babylon Orchester Berlin unter Leitung von Miguel Pérez Iñesta. Die Veranstaltung findet in Kooperation mit dem Konzerthaus Berlin statt. mehr
Foto: Stummfilm Magazin

100 jahre stummfilm klassiker logo 250Am 18. März 1922 wurde "Othello" von Dimitri Buchowetzki uraufgeführt.

"Buchowetzkis Film lebt vor allem von dem Zusammenspiel zweier meisterlicher Schauspieler, denen neben grandiosen Bauten auch eine effektive Ausstattung zur Verfügung stehen. Wie sein "Danton" wirkt Buchowetzkis "Othello" oft bühnenhaft, was dem Sujet aber natürlich angemessen ist. Dieser Shakespeare ist nicht akademisch blutleer, sondern steht voll im Saft.", so unser Autor Arndt Pawelczik in seiner Filmwürdigung für die Stummfilm Magazin-Initiative 100 Jahre Stummfilm-Klassiker der Weimarer Republik. Hier geht es zur Filmbesprechung.
Bild: Stummfilm Magazin

kopfhoerer 250Der Podcast "Auf den Tag genau" präsentiert seit Anfang Januar 2020 täglich eine Zeitungsnachricht aus der Welt vor hundert Jahren.

"Aus dem Kiez in die Welt, von der Oper in den Boxring – mit täglich einer Zeitungsnachricht aus der Hauptstadtpresse heute vor 100 Jahren tauchen wir ein in die Fragen und Debatten, die das Berlin von damals bewegten", so die Macher des Angebots. Auch der Stummfilm ist ein immer wieder aufgegriffenes Thema:

So widmete sich der Podacast am 07. März 2022 F. W. Murnaus "Nosferatu - Eine Symphonie des Grauens". Am 15. März 2022 war dann der Monumentalfilm "Das Weib des Pharao" von Ernst Lubitsch an der Reihe. Beide Klassiker wurden vor hundert Jahren uraufgeführt. zum Podcast "Auf den Tag genau"
Foto: Stummfilm Magazin

stephan graf von bothmer 250 5 birgit meixnerEiner der populärsten Stummfilme ist 2022 hundert Jahre alt: "Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens". Friedrich Wilhelm Murnaus Schauerfilm hatte am 04. März 1922 in Berlin seine Uraufführung.

Der große Klassiker des Weimarer Kinos ist nun Headliner des Stummfilmfestivals im Berliner "Theater im Delphi", das vom 18. bis 26. März 2022 stattfindet. Stummfilm Magazin sprach mit dem Stummfilmusiker Stephan Graf von Bothmer über die von ihm organisierten Stummfilmtage und seine Musik zu "Nosferatu":

"Wir haben dieses Jahr drei Festivalschwerpunkte: Zum einen 'Nosferatu' mit insgesamt fünf über die Veranstaltungstage verteilten Aufführungen. Die zweite Sparte ist 'Best Of Comedy' mit Buster Keatons 'The General', einem neuen 'Stan & Olli'-Programm – da ist ein superklasse Stan-Solo-Film dabei – und dem namensgebenden Programm 'Best Of Comedy' mit Charlie Chaplin, Harold Lloyd und Stan & Olli. Bei letzterer Vorführung treten die Komiker quasi als Slam gegeneinander an. Das Publikum wählt dann den 'King Of Comedy'. Es wurde übrigens schon mehrmals Charley Chase Sieger, der ist aber dieses Mal nicht am Start. Und dann gibt es zum Dritten immer den Schwerpunkt 'Berlin', in diesem Jahr mit 'Menschen am Sonntag' und 'Der letzte Mann'". zum ganzen Interview
Bildnachweis: Birgit Meixner

Neuerscheinung

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Am 27. Juni 2022 erscheint "Der Mann, der lacht" (1928) als Collector’s Edition bei Wicked Vision. mehr

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Das bedeutende ukrainische Filmarchiv Dovzhenko Centre in Kiew ist in seiner Existenz bedroht. Spenden zur Unterstützung sind möglich unter https://gofund.me/a6d1f28d

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deutscher stummfilmpreis auszeichnung 1 250

Ein "unsterblicher" Horrorfilm ist 100. mehr

Berlin

stummfilmtage bonn 250a

Mit einer Sonderausstellung bis 04. Juli 2022 würdigt die Deutsche Kinemathek das komplexe Handwerk der Filmrestaurierung. mehr