Das Babylon Kino in Berlin zeigt am Samstag, den 22. Oktober 2016, in seiner Reihe "Stummfilm um Mitternacht" den russischen Dokumentarfilm "Der Mann mit der Kamera".

Regie bei dem bedeutenden Stummfilmklassiker aus dem Jahr 1929 führte Dsiga Wertow. Live vertont wird Der Mann mit der Kamera von Anna Vavilkina an der Babylon-Kinoorgel. mehr

metropolis ausstellungsplakat uni koeln 2016 250"METROPOLIS: die Stadt der Zukunft, gigantisch, von unerhörten Ausmaßen, himmelanstrebend. Maschinen: phantastische Zukunftsträume Wirklichkeit geworden. Herzmaschine, Molochmaschine – riesenhaft, von erdrückender Wucht. Menschen des Lichts: glücklich, göttergleich. Menschen der Nacht: sklavisch unterjocht. Maschinenmensch: Lichtkreise schwingen, Funken sprühen, stählerne Glieder wandeln sich in menschliche Formen. Wasserkatastrophe in der Arbeiterstadt! Aufruhr! Die Herzmaschine rast sich zu Tode, Urbild tödlichster Gefährlichkeit – die unterirdische Stadt ersäuft."

So wurde der teuerste Stummfilm Deutschlands im Jahr 1927 in Köln angekündigt.

Fast 90 Jahre nach der Uraufführung von METROPOLIS am 10. Januar 1927 präsentiert die Universitäts- und Stadtbibliothek Köln (USB) eine Ausstellung über den Filmklassiker, der 2001 in das Weltdokumentenerbe der UNESCO aufgenommen wurde, mit einem großen Rahmenprogramm.

METROPOLIS wurde ein Teil der Filmkultur sowie der Filmkunst der Weimarer Republik, weil der Film die erste nachhaltige filmische Umsetzung einer architektonischen Zukunftsvision war. Er vereint archaische Gegensätze, allegorische Motive mit Details aus Mittelalter, Gegenwart und visionärer Zukunft. Sein Einfluss auf Komposition, Bildsprache und vor allem Spezialeffekte ist bis heute lebendig. Seine scheinbar zeitlose Ästhetik hat bis in die Gegenwart Einfluss auf die Medienkultur. Filme wie „Das fünfte Element“, „Star Wars“ oder „Blade Runner“ und Musikvideos von Beyoncé, Kylie Minogue bis Madonna verwenden architektonische und stilistische Zitate aus Fritz Langs Monumentalepos.

Internetseite zur Ausstellung
Videotrailer zur Kölner Ausstellung auf YouTube
Infos zum Film bei Wikipedia
Videotrailer zur DVD-Veröffentlichung 2011 auf YouTube

In der Ausstellung erwarten die Besucher Filmvorführungen, Kostüme, Filmkameras, Filmsequenzen, Fotografien von den Filmaufnahmen, Entwurfszeichnungen des Filmarchitekten, Musikvorträge, Drehbuchseiten, Filmplakate, nachgebaute Filmrequisiten, Lesungen und Vorträge über den Film und seiner Entstehung. Die Ausstellung wird am 27. Oktober 2016 in der Aula der Universität zu Köln öffentlich eröffnet. Sie befindet sich im Foyer der Universitäts- und Stadtbibliothek Köln. Der Eintritt ist frei.

Ein umfangreiches Rahmenprogramm begleitet die Ausstellung. Der Veranstalter bittet bis spätestens eine Woche vor Beginn der Ausstellungseröffnung bzw. der Vorträge um eine Anmeldung unter 0221 470 4659 und 0221 470 2214 oder unter metropolis (at) ub.uni-koeln.de.

Rahmenprogramm

Dienstag, 08.11.2016, 19.30 Uhr in der USB
Dr. Marc Bonner, Universität zu Köln, Institut für Medienkultur und Theater
„METROPOLIS als archetypische Stadtvision der Science-Fiction – Inspirationen und Vermächtnis der Megalopolis“
Eintritt frei

Dienstag, 15.11.2016, 19.30 Uhr in der USB
Schauspielerin Bettina Storm und Schauspieler Julian Horeyseck
„The Making of METROPOLIS“: Lesung aus „Der Schatten des Architekten“ von Erich Kettelhut, „Waren das Zeiten“ von Gustav Fröhlich und Literatur weiterer Zeitzeugen der Filmentstehung.
Eintritt frei

Dienstag, 22.11.2016, 19.30 Uhr in der USB
Manfred Romboy, Filmmuseum Romboy
„Die Virage – ein frühes Farbfilmverfahren“
Eintritt frei

Montag, 09.01.2017, 19.30 Uhr in der USB
Prof. Martin Koerber, Deutsche Kinemathek
„Die Restaurierung von Fritz Langs METROPOLIS, ein Bericht aus der Praxis “
Eintritt frei

Dienstag, 10.01.2017, 19.30 Uhr in der Aula der Universität
METROPOLIS-Filmvorführung
Einleitung: Dr. Gerald Köhler, Universität zu Köln, Institut für Medienkultur und Theater
Auftakt: Kammerorchester der Universität zu Köln, Leitung: Michael Ostrzyga
Eintritt frei

Dienstag, 17.01.2017, 19.30 Uhr in der USB
Dr. Peter Scheinpflug, Universität zu Köln, Institut für Medienkultur und Theater
„Film- und kulturhistorische Betrachtungen zu METROPOLIS“
Eintritt frei

Dienstag, 24.01.2017, 19.30 Uhr in der USB
Irene Schoor, Köln im Film e.V. und Dr. Sabine Steidle
„Filmpaläste und Kinokultur in den zwanziger Jahren: Berlin und Köln“
Eintritt frei

Dienstag, 07.02.2017, 19.30 Uhr in der USB
Prof. Dr. Frank Hentschel, Universität zu Köln, Musikwissenschaftliches Institut
„Die Musik in Fritz Langs METROPOLIS“
Eintritt frei

Mittwoch, 08.02.2017, 20.00 Uhr in der Aula der Universität
Sinfonieorchester der Universität zu Köln: Semesterabschlusskonzert
Gespielt werden u. a. Auszüge der Filmmusik zu Fritz Langs METROPOLIS von Georg Huppertz
Leitung: Michael Ostrzyga
Einleitung: Nina Goslar (Filmredakteurin bei ZDF/ARTE)
Eintritt frei

Mittwoch, 15.02. 2017, 19.30 Uhr in der USB
Dr. Stephanie Tilly, Universität zu Köln, Seminar für Wirtschafts- und Unternehmensgeschichte
„Zur Wirtschafts- und Unternehmensgeschichte der UFA in den 1920er Jahren“
Eintritt frei

Sonntag, 19.02.2017, 15.00 Uhr im Filmforum im Museum Ludwig (Bischofsgartenstraße 1, 50667 Köln)
Prof. Dr. Lisa Gotto, IFS Internationale Filmschule Köln, Filmgeschichte/Filmanalyse
„Zukunftsforschung. Fritz Langs METROPOLIS als Antizipation digitaler Special Effects-Welten“
Im Anschluss daran folgt die zweite Filmvorführung. Eintritt 8 Euro (ermäßigt 6 Euro)

Textquelle: Presseinformationen der Universitäts- und Stadtbibliothek Köln; alle Angaben ohne Gewähr

Bildnachweis: Walter Schulze-Mittendorff ©
Deutsche Kinemathek © Horst von Harbou
Mit freundlicher Genehmigung der Universitäts- und Stadtbibliothek Köln, Veranstalter

Vom 21. Oktober bis 06. November 2016 findet in Bielefeld das Film+MusikFest statt, mittlerweile zum 27. Mal.

"In diesem Jahr widmet sich das Film- und Musikfest den gefallenen Männern – den großen Verlierern und den hoffnungslos Liebenden", heißt es in der Festival-Ankündigung. Veranstalter ist die Friedrich Wilhelm Murnau-Gesellschaft Bielefeld e.V. Gezeigt werden an sechs Terminen eine Auswahl an Klassikern des internationalen Stummfilms. Alle Aufführungen finden mit Live-Musikbegleitung statt:

Freitag, 21.10.2016; 20.00 Uhr; Rudolf-Oetker-Halle
Victor Fleming: Mantrap
Musik: Cinematografisches Orchester unter der Leitung von Axel Goldbeck

Sonntag, 23.10.2016; 17.00 Uhr; Rudolf-Oetker-Halle
Fritz Lang: Der Müde Tod
Musik: Johannes Vetter, Orgel

Donnerstag, 27.10.2016; 20.00 Uhr; Lichtwerk
Frank Borzage: Street Angel
Musik: Daniel Kothenschult, Piano

Donnerstag, 03.11.2016; 20.00 Uhr; Lichtwerk
Walther Ruttmann: Berlin – Die Sinfonie der Großstadt
Musik: We stood like Kings

Freitag, 04.11.2016; 20.00 Uhr; Rudolf-Oetker-Halle
G. W. Pabst: Die Büchse der Pandora
Musik: Bielefelder Philharmoniker unter der Leitung von Bernd Wildens

Sonntag, 06.11.2016; 17.00 Uhr; Rudolf-Oetker-Halle
Charles Chaplin: The Tramp und The Kid
Musik: Braunschweiger Staatsorchester unter der Leitung von Helmut Imig

Der deutsche Tierhändler, Filmproduzent und Autor John Hagenbeck wurde vor 150 Jahren, am 15. Oktober 1866, in Hamburg geboren.

Hagenbeck, der mit dem Tierparkgründer Carl Hagenbeck verwandt ist, gründete 1918 in Berlin die John-Hagenbeck-Film GmbH. Ab 1919 produzierte die Firma Unterhaltungsfilme, die die Zuschauer in eine Welt voller Abenteuer und mitunter wilder Tiere entführte. Bis 1923 fertigte die John-Hagenbeck-Film vierzehn Spielfilme und neun Trickfilme an. Danach stellte die Firma die Produktion ein. Carl Hagenbeck starb am 16. Dezember 1940 in Colombo/Sri Lanka. mehr

filmstreifen 04 250Am 14. Oktober 1926, vor 90 Jahren, wurde "Faust – eine deutsche Volkssage" von Friedrich Wilhelm Murnau uraufgeführt.

Das optisch opulente Filmepos zählt zu den großen Stummfilmklassikern und ist Murnaus letzte Produktion in Deutschland. An der Kamera war Carl Hoffmann, die Ausstattung stammte Robert Herlth und Walter Röhrig. In den Hauptrollen sind Gösta Ekman, Emil Jannings und Camilla Horn, in Nebenrollen unter anderem Wilhelm Dieterle und Hans Brausewetter zu sehen. mehr
Foto: Stummfilm Magazin

stephan graf von bothmer 250 1 birgit meixnerStephan Graf von Bothmer vertont am Freitag, den 14. Oktober 2016, im Bürgerhaus Neuenhagen bei Berlin Harold Lloyds Safety Last!.

Die amerikanische Stummfilm-Komödie "Ausgerechnet Wolkenkratzer!" von Produzent Hal Roach aus dem Jahr 1923 ist für die Szene legendär, in der Hauptdarsteller Harold Lloyd am Zeiger einer an einem Hochhaus angebrachten Uhr baumelt. Mehr Informationen über den Musiker Stephan Graf von Bothmer und seine Stummfilmkonzerte hier
Foto: Birgit Meixner

stephan graf von bothmer 250 1 birgit meixnerStephan Graf von Bothmer vertont am Donnerstag, den 13. Oktober 2016, in der Stabkirche Hahnenklee den expressionistischen Stummfilm Der Golem, wie er in die Welt kam.

Der visuell beeindruckende Klassiker des Weimarer Kinos wurde am 29. Oktober 1920 im Berliner "Ufa-Palast am Zoo" uraufgeführt. Regie führten Paul Wegener, der auch die titelgebene Hauptrolle spielt, und Carl Boese. Mehr Informationen über den Musiker Stephan Graf von Bothmer und seine Stummfilmkonzerte hier
Foto: Birgit Meixner

Die amerikanische Schauspielerin Janet Gaynor wurde vor 110 Jahren, am 06. Oktober 1906, in Philadelphia (Pennsylvania) geboren.

Bei der ersten Oscarverleihung im Jahr 1929 gewann Gaynor die Trophäe für ihre Mitwirkung an Frank Borzages "Street Angel" (1927) und Friedrich Wilhelm Murnaus ebenfalls 1927 gedrehten Film Sunrise - a song of two humans. In Hitlisten zu den besten Streifen der internationalen Kinogeschichte rangiert Murnaus "Sonnenaufgang - Lied von zwei Menschen", so der deutsche Titel, regelmäßig auf den ganz vorderen Plätzen. 1938 wurde Janet Gaynor zudem für den Tonfilm Ein Stern geht auf (Originaltitel: "A star is born", Regie: William A. Wellman und Jack Conway) als beste Hauptdarstellerin nominiert. Sie starb am 14. September 1984 in Palm Springs (Kalifornien). mehr

Eindeutig als Schwule oder Lesben identifizierbare Filmfiguren sind eine Seltenheit in den Produktionen aus der Frühzeit des Kinos.

cyankali tintner 1930 screenshot kioskszene 2 250Dem amerikanischen Autor Vito Russo (1946 – 1990) ist es mit seinem Buch „The Celluloid Closet“ aus dem Jahr 1981 zu verdanken, dass dem Thema in den letzten fünfunddreißig Jahren zunehmend Aufmerksamkeit geschenkt wurde: Mit Akribie hatte Russo nach Hinweisen auf Homosexualität in unzähligen Filmen gesucht, homosexuelle Subtexte bei Filmproduktionen aus aller Welt herausgearbeitet – und das alles mit dem ernüchternden Ergebnis: Eindeutige Darstellungen homosexueller Menschen in den ersten Jahrzehnten des Kinos sind extrem selten und zudem selten respektvoll in der Figurenzeichnung. Das gesellschaftliche Tabu der gleichgeschlechtlichen Liebe setzte sich nahtlos auf der Kinoleinwand fort. In den wenigen Ausnahmen grüßte überwiegend die tuntig-feminine Nebenfigur in den Kinosaal.

Die einzige eindeutige Darstellung schwuler Filmprotagonisten von Relevanz aus der Stummfilmära ist in Richard Oswalds Anders als die Anderen (Deutschland 1919) zu finden. Das seinerzeit umstrittene Drama war ein filmischer Appell gegen die Diskriminierung von Homosexuellen und für die Abschaffung des schwulenfeindlichen Paragrafen 175. Die noch existierenden Teile des Films zeigen keine weiblichen Homosexuellen, vermutlich konzentrierte sich der Film auch in seiner ursprünglichen Fassung allein auf schwule Männer.

Die weltweit wohl erste filmische Darstellung einer lesbischen Frau blieb Georg Wilhelm Pabst in seinem Stummfilmklassiker Die Büchse der Pandora vorbehalten: Der im Jahr 1929 erschienene, meisterhaft inszenierte Film schildert die Geschichte der Tänzerin Lulu − gespielt von der unvergleichlichen Louise Brooks −,  die im Lauf der Filmhandlung amouröse Beziehungen zu mehreren Männern und einer Frau unterhält. Letztere ist die Lesbe Gräfin Anna Geschwitz, gespielt von Alice Roberts.

Das Drama „Die Büchse der Pandora“ ist mit seiner expliziten Darstellung einer Lesbe für viele Jahre, letztendlich Jahrzehnte, einzigartig in der internationalen Stummfilmgeschichte. Diese Sonderstellung darf sich der Film nach den aktuellen Recherchen von Stummfilm Magazin nun mit einer weiteren, nun (wieder)entdeckten Filmperle teilen. Die bislang filmhistorisch undokumentierte Sequenz besteht aus fünf Einstellungen und ist nur sechzehn Sekunden lang, wird aber – zumindest auf das zeitgenössische homosexuelle Filmpublikum – eine durchaus elektrisierende Wirkung gehabt haben.

Die Rede ist von einer Szene in Hans Tintners Sozialdrama Cyankali aus dem Jahr 1930. Ab 1933 von den Nationalsozialisten verboten, war der Film auch nach 1945 nicht mehr nennenswert öffentlich wahrgenommen worden, dokumentiert sind lediglich eine TV-Ausstrahlung im DDR-Fernsehen in den 70er-Jahren und gelegentliche Aufführungen in Filmkunsttheatern. Nun liegt der seinerzeit als Stummfilmproduktion begonnene und dann mit einigen kurzen Tonfilmeinschnitten fertiggestellte Film seit September 2016 erstmalig als DVD vor.

cyankali tintner 1930 screenshot kioskszene 3 250In einer humoristisch eingefärbten Sequenz in „Cyankali“ werden die Käuferinnen und Käufer eines Kiosks vorgestellt, darunter auch eine Lesbe: Eine etwas füllige, mit einem auffälligen Hut und einem Monokel ausgestattete Dame durchstöbert die Zeitschriftenauslage und kauft dann mit einem „wissenden“ Gesichtausdruck das Magazin Die Freundin. Die gesprochenen Worte „Die Freundin, bitte!“ kann man ohne Schwierigkeiten von ihren Lippen ablesen. Das Titelbild der Zeitschrift, die Aktaufnahme einer Frau, lässt auch dem nicht im homosexuellen Kontext lebenden oder denkenden Filmzuschauer die Zusammenhänge umgehend klar werden. (Minute 58:00 bis 58:16 in der vorliegenden DVD-Fassung von Absolut Medien).

Das Sozialdrama „Cyankali“ über den Abtreibungsparagrafen 218, das auf dem gleichnamigen Bühnenerfolg des Arztes, Schrifttellers und kommunistischen Politikers Friedrich Wolf beruht, war deutschlandweit an den Kinokassen ein Renner, ein wichtiger Aspekt, denn so wurde die kurze Szene von vielen Menschen gesehen. Sicher werden auch viele Lesben im Publikum gewesen sein, schon allein aufgrund der frauen- und gesellschaftspolitischen Grundthematik des Films.

In der Weimar Republik war außerhalb der großen Städte lesbisches und schwules Leben kein wahrnehmbares Thema. Viele Homosexuelle wurden zu dieser Zeit mit der Identitätsfindung alleine gelassen und mussten sich mühsam und diskret ein Netzwerk an Vertrauten aufbauen. Gleichgeschlechtliche Beziehungen konnten meist nur in Heimlichkeit geführt werden. Es musste mit Ablehnung selbst im engsten familiären Umfeld gerechnet werden, falls die sexuelle Identität bekannt werden würde.

Um so wichtiger ist die kurze Kiosk-Szene zu bewerten. Hier wurde in einem, wenn auch umstrittenen und im Vorfeld mehrfach zensierten Erfolgsfilm in wenigen Sekunden vermittelt: Du bist nicht allein! Es gibt weitere Menschen wie Du! Es gibt sogar selbstbewusst lebende Lesben! Und: Es gibt ein Magazin für Dich! Es ist nicht vermessen anzunehmen, dass „Cyankali“ für viele Homosexuelle ein „Aha“-Erlebnis gewesen sein wird, vielleicht sogar ein biografischer Einschnitt. Durch die Abbildung der real existierenden Zeitschrift "Die Freundin" − vermutlich das erste filmische Abbild eines Homosexuellenmagazins in der Filmgeschichte! − kann der Film letzendlich für die konkrete Lebensführung von Schwulen und Lesben bedeutungsvoller gewesen sein als die lesbisch angehauchten Szenen in "Die Büchse der Pandora". Denn "Cyankali" verweist von seinem fiktiven Geschehen auf der Leinwand in die Realität, genauer gesagt zum nächsten "gut sortierten" Kiosk. Wo hätte man damals ohne Kenntnis eines Szenetreffpunkts, einer Zufallsbekanntschaft oder eines thematisch spezialisierten Magazins grundlegende Informationen über und für Homosexuelle und ihre „Subkultur“ erhalten können? Ein "Insider-Magazin" konnte hier diskret den Weg weisen und Orientierung geben ...

Die im Film gezeigte Zeitschrift „Die Freundin“ war im Übrigen weltweit das erste Magazin für Lesben und eine der großen, wenn nicht gar die auflagenstärkste Publikation für weibliche Homosexuelle in der Weimarer Zeit. Sie erschien von 1924 bis 1933. In ihrem Kontaktanzeigenteil berücksichtigte sie nicht nur lesbische, sondern auch schwule Inserate. Zudem gab es Hinweise auf einschlägige Lokale und Treffpunkte mit Schwerpunkt in Berlin. "Die Freundin" konnte auch im Abonnement bezogen werden.

cyankali dvd cover absolut medien 2016 250Insoweit ist die aktuelle DVD-Edition nicht nur ein filmhistorischer Beitrag zur Debatte über die neuerdings von rechtskonservativen Kräften wieder betriebene Diskussion um eine Verschärfung des § 218 (siehe aktuelles Beispiel Polen), sondern ein weiterer Mosaikstein in der Geschichte der filmischen Darstellung von Homosexualität.

Über die DVD:
Hans Tintners Cyancali ist im September 2016 in der Reihe „Arte Edition“ von Absolut Medien erschienen. Die Ausstattung lässt keine Wünsche offen: Neben diversen Dokumenten auf zwei DVD-ROM-Teilen enthält die Doppel-DVD auch eine für das DDR-Fernsehen im Jahr 1977 inszenierte Fernsehversion von „Cyankali“, die TV-Diskussion „Probleme und Gedanken“ (die einen Tag nach der Ausstrahlung der TV-Fassung von „Cyankali“ im DFF ausgestrahlt wurde) und einen Radiobeitrag aus dem Jahr 1978. Im 20-seitigen, schön bebilderten Booklet wird ein Abriss über die Geschichte des Abtreibungsparagrafen 218 und ein kurzer Einblick in die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse der Weimarer Zeit gegeben.

Autor: Frank Hoyer
Die Bilder aus „Cyankali“ werden mit freundlicher Genehmigung von absolut Medien GmbH verwendet; © absolut Medien GmbH.

Die deutsche Schauspielerin Evelyn Holt, geboren als Edith Sklarz, wurde vor 110 Jahren, am 03. Oktober 1906, in Berlin geboren.

Sie spielte unter anderem in den Stummfilmen Die elf Teufel (Regie: Zoltan Korda, 1927), "Frauenarzt Doktor Schäfer" (Regie: Jacob Fleck und Luise Fleck (1928), "Der fesche Husar" (Regie: Géza von Bolváry, 1928) und "Der Mann mit dem Laubfrosch" (Regie: Gerhard Lamprecht, 1929). Sie starb am 22. Februar 2001 in Los Angeles (USA). mehr

Im Salon Theater in Taunusstein wird am Sonntag, den 09. Oktober 2016, in der Reihe "Leinwand-Lyrik – Stummfilme live synchronisiert" der Stummfilmklassiker Der General gezeigt.

Schauspieler und Sprachakrobat Ralph Turnheim wird den Film auf humoristische Weise und in Reimform live vor dem Publikum synchronisieren.

Der amerikanische Schauspieler und Filmregisseur Buster Keaton drehte seine berühmte Komödie im Jahr 1926. Legendär ist die Szene, in der eine echte Lokomotive von einer Brücke ins Tal stürzt. Die aufwändige Produktion war kein Erfolg an den Kinokassen, brachte Keaton in erhebliche finanzielle Schwierigkeiten und läutete sein Karriereende ein. Erst Mitte des 20. Jahrhunderts erlebten er und seine Filme eine Renaissance. Seine letzte Rolle spielte er in Richard Lesters turbulenter Musicalkomödie "Toll trieben es die alten Römer" aus dem Jahr 1966. Er starb am 01. Februar 1966 in Woodland Hills (Kalifornien).

Mehr über "Leinwand-Lyrik – Stummfilme live synchronisiert" in Taunusstein hier

Andrew Lloyd Webbers Musicaladaption von Billy Wilders großartigem Filmklassiker "Sunset Boulevard" (USA 1950) um einen alternden Stummfilmstar wird ab 08. Oktober 2016 im Opernhaus Dortmund gezeigt.

Die deutsche Fassung der Bühnenversion stammt von Michael Kunze. In Wilders Filmklassiker spielten unter anderem die Stummfilmlegenden Gloria Swanson und Erich von Stroheim. mehr

Das international bedeutendenste Stummfilmfestval ist "Le Giornate del Cinema Muto", das in 2016 vom 01. bis 08. Oktober stattfindet.

Es wird jedes Jahr im beschaulichen Pordenone (Italien) veranstaltet. Gezeigt werden Klassiker, aber auch viele Neuentdeckungen. Die musikalischen Vertonungen sind durchgängig vom Feinsten.
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stephan graf von bothmer 250 1 birgit meixnerStephan Graf von Bothmer vertont am Mittwoch, den 05. Oktober 2016, im "Café Theater Schalotte" in Berlin "Sunrise – A song of two humans".

Friedrich Wilhelm Murnaus optisch opulentes Stummfilm-Melodram Sunrise – A song of two humans wird in Umfragen immer wieder unter die fünf besten Filme der Kinogeschichte gewählt. Das Drehbuch schrieb Carl Mayer. In den Hauptrollen sind George O’Brien, Janet Gaynor und Margaret Livingston zu sehen. Bei der ersten Oscar-Verleihung im Jahr 1929 gewann "Sunrise" gleich in drei Kategorien: bester Film (Kategorie "Künstlerischer Film"), beste Kamera und beste Hauptdarstellerin.

Mehr Informationen über den Musiker Stephan Graf von Bothmer und seine Stummfilmkonzerte hier
Foto: Birgit Meixner

Anlässlich des "Tages der Stiftungen" wird an der Bauhaus Denkmal Bundesschule Bernau bei Berlin am Samstag, den 01. Oktober 2016, um 16.00 Uhr die Filmzusammenstellung „Wohnungsnot und Neues Bauen im Stummfilm“ gezeigt.

Präsentiert werden Zeitprobleme: Wie der Arbeiter wohnt (1930), „Die Haarer Küche“ (1927) und Wo wohnen alte Leute (1931). Die Filme veranschaulichen die große Armut und das soziale Elend vieler Arbeiter/innen um die 1930er-Jahre in Deutschland. Eine Einführung gibt die Kunsthistorikerin Dr. Guttenberger. Live begleitet werden die Filme von Hanna Keller am Konzertpiano. mehr

Berlin

der mann der lacht wicked vision cover a 250

24. bis 26. August 2022: Die UFA Filmnächte finden in diesem Jahr zum 12. Mal statt. mehr

Potsdam

asta nielsen stern 250

Vor 50 Jahren starb Asta Nielsen. Aus diesem Anlass führt das Filmmuseum Potsdam im Herbst 2022 eine Retrospektive durch. mehr

Spendenaktion

filmspule 250 4

Das bedeutende ukrainische Filmarchiv Dovzhenko Centre in Kiew ist in seiner Existenz bedroht. Spenden zur Unterstützung sind möglich unter https://gofund.me/a6d1f28d

Jubiläum

deutscher stummfilmpreis auszeichnung 1 250

Ein "unsterblicher" Horrorfilm ist 100. mehr