murnau stern berlin 250“Ich versuche, in jedem meiner Filme künstlerisches Neuland zu entdecken und neue künstlerische Ausdrucksformen zu finden.” (Friedrich Wilhelm Murnau 1928)

Mit Nosferatu - Eine Symphonie des Grauens, Faust - eine deutsche Volkssage, Der letzte Mann, Sunrise - A song of two humans und Tabu schrieb Friedrich Wilhelm Murnau Filmgeschichte. 21 Filme drehte er zwischen 1919 und 1930 in Deutschland, Amerika und Tahiti. Ursprünglich hieß der große Regisseur der Stummfilmzeit Friedrich Wilhelm Plumpe. Seinen Künstlernamen gab er sich nach einem wunderbaren Sommer, den er im Jahr 1910 in Murnau verbracht hatte, dem berühmten, auch vom “Blauen Reiter” und der Kunstszene der Moderne heimgesuchten oberbayerischen Ort.

Das Lenbachhaus in München, mit seinem Schwerpunkt auf der Kunst des Expressionismus, widmet Friedrich Wilhelm Murnau vom 25. Oktober 2016 bis 26. Februar 2017 eine Ausstellung, die sich als Hommage an dessen innovative Filmsprache und die einzigartige globale Wirkung der frühen Filmkunst versteht. Murnau, der unter anderem Kunstgeschichte studiert hatte, schöpfte in seinen Filmbildern immer wieder aus der Geschichte der bildenden Kunst. Andererseits sind die Kunstschaffenden der 1920er Jahre gerne und viel ins Kino gegangen. Unter den Künstlerinnen und Künstlern des Lenbachhauses sind solch frühe Cineasten vertreten. Die starken Verbindungen zwischen den Künsten werden nicht in einer akribischen Einflussgeschichte nachgewiesen, die Kurator/innen haben sich für einen anderen Zugang entschieden: Die Ausstellung zeigt Film mit Film.

Das Lenbachhaus hat zeitgenössische Regisseurinnen und Regisseure eingeladen, sich in Filmessays und Kurzfilmen mit Friedrich Wilhelm Murnau zu beschäftigen. Alexander Kluge, Ulrike Ottinger, Guy Maddin und Evan Johnson, Luc Lagier sowie ein Team der Münchner Hochschule für Fernsehen und Film untersuchen in insgesamt fünf Beiträgen jeweils ein Werk Murnaus mit filmischen Mitteln. Die Auswahl der Werke, darunter "Nosferatu", "Faust" und "Tabu", bestimmt auch die Materialien, die zusätzlich in der Ausstellung zu sehen sind: Zeichnungen und Fotografien von Murnau und einigen seiner Mitstreiter, darunter Albin Grau, Hans Natge und Robert Herlth.

Parallel zur Ausstellung im Lenbachhaus bietet das Münchner Filmmuseum die seltene Gelegenheit, in einer umfassenden Retrospektive alle erhaltenen Filme Murnaus zu sehen, in besten Kopien und begleitet von international renommierten Stummfilmmusikern.

Presseankündigung der Ausstellung in der Süddeutschen Zeitung
Filmografie von F. W. Murnau

Über F. W. Murnau
Er wurde am 28. Dezember 1888 als Friedrich Wilhelm Plumpe in Bielefeld geboren. Ab 1907 studierte er Literatur und Kunstgeschichte in Berlin und Heidelberg. In Berlin lernte er den Dichter Hans Ehrenbaum-Degele kennen, der zum engsten Freund seines Lebens wurde. Ehrenbaum-Degeles Familie akzeptierte Murnau als zweiten Sohn. Wohl im Sommer 1910 reisten sie zusammen in das oberbayerische Murnau, ein wichtiger Ort für die zeitgenössische Kunstszene, zu der auch die Mitglieder des späteren „Blauen Reiter“ gehörten. Max Reinhardt gab damals im Garten der Villa des Architekten Emanuel Seidl Shakespeares „Sommernachtstraum“ als Naturtheater. In der Folge nahm Plumpe den Künstlernamen „Murnau“ an. Der Namenswechsel ermöglichte ihm die Distanzierung von seiner Familie und ein selbstbestimmtes Leben, zu dem seine Homosexualität und eine künstlerische Laufbahn – zuerst als Schauspieler – gehörten.

Zurück in Berlin wurde Murnau Mitglied von Max Reinhardts Bühne und baute sich ein breites Netzwerk in der Theater-, Literatur- und Kunstszene auf. Den Ersten Weltkrieg erlebte Murnau im Ersten Garderegiment zu Fuß und ab 1917 bei der Fliegertruppe, zuletzt als Internierter in der Schweiz. In Luzern führte er bei zwei Theaterstücken Regie. Die Familie seines gefallenen Freundes Hans Ehrenbaum-Degele überließ ihm nach dem Krieg ihre Villa im Grunewald als Wohnsitz; dort lebte er in den frühen 1920er Jahren mit dem Maler und Musiker Walter Spies zusammen.

Ab 1919 war der Film Murnaus Wirkungsfeld. Leider sind seine ersten Filme nicht erhalten, es existieren nur zeitgenössische Kritiken sowie gelegentliche Werbematerialien und Fotografien, Drehbücher und Plakate, aus denen sich Rückschlüsse auf das Frühwerk ziehen lassen. Der Gang in die Nacht, bereits seine siebte Regie-Arbeit, wurde im Januar 1921 in Berlin uraufgeführt und ist der früheste erhaltene Murnau-Film. Mit "Nosferatu" (1922) drehte er sein heute bekanntestes Werk.

Murnau kooperierte mit den besten Kameraleuten seiner Zeit, unter ihnen Fritz Arno Wagner, Carl Hoffmann, Charles Rosher und Karl Freund, der für "Der letzte Mann" (1924) die „entfesselte Kamera“ entwickelte. Für seine Filme engagierte er die prominentesten Schauspieler: Früh schon gehörten Conrad Veidt, Fritz Kortner und Eugen Klöpfer dazu. Er arbeitete mit Alfred Abel, Max Schreck, Lil Dagover, Werner Krauß, Gösta Ekman und entdeckte Camilla Horn. Emil Jannings war der Hauptdarsteller in drei Filmen Mitte der 1920er Jahre. Drehbücher schrieben Carl Mayer, Henrik Galeen und Thea Harbou. Die künstlerische Ausstattung besorgten Albin Grau, Robert Herlth, Rochus Gliese und Walter Röhrig.

Die Innovationskraft und der Erfolg seiner großen UFA-Filme "Der letzte Mann" (1924), Tartüff (1925) und "Faust" (1926) beeindruckten den amerikanischen Produzenten William Fox, der Murnau für Hollywood engagierte. Dort konnte er "Sunrise" (1927) mit einem riesigen Budget und größter künstlerischer Freiheit drehen. In der allerersten Oscar-Verleihung im Jahr 1929 wurden "Sunrise" als bester Film und Janet Gaynor als beste Darstellerin ausgezeichnet. In der Folge wurden Murnau der rasche Wechsel zum Tonfilm und der finanzielle Druck der Studios zum Verhängnis. Für die nächsten Filme 4 Devils (1928) und City Girl (1930) hatte er nicht mehr die künstlerische Vollmacht. Enttäuscht entschloss sich Murnau zu einer Südseereise, um auf Tahiti möglichst unabhängig einen Film zu realisieren: "Tabu" (1931). Dessen Premiere erlebte er nicht mehr, am 11. März 1931 starb Murnau nach einem Autounfall in Santa Barbara, Kalifornien.

Die Ausstellung im Lenbachhaus München entstand in Zusammenarbeit mit der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung Wiesbaden, der Deutschen Kinemathek – Museum für Film und Fernsehen Berlin, dem Filmmuseum München, der Hochschule für Fernsehen und Film München und der Versicherungskammer Kulturstiftung.

Textquelle: Pressemitteilung Lenbachhaus München
Das Bild zeigt den Stern für F. W. Murnau auf dem Potsdamer Platz in Berlin. Foto: Frank Hoyer

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