cyankali dvd cover absolut medien 2016 250Am 23. September 2016 erscheint die Doppel-DVD "Cyankali", unter anderem mit der Filmversion von 1930 des gleichnamigen Schauspiels.

Das Theaterstück Cyankali des Arztes, Schriftstellers und kommunistischen Politikers Friedrich Wolf hatte im September 1929 am Berliner Lessingtheater Premiere. Statt der Strafverfolgung bei Schwangerschaftsabbruch forderte der Autor in dem seinerzeit vieldiskutierten Bühnenwerk eine am Selbstbestimmungsrecht der Frauen orientierte Gesetzgebung. Ideologisch eingebettet war Wolfs Forderung nach Abschaffung des § 218 in den Kampf der Arbeiterschaft gegen den rücksichtslosen Kapitalismus der Weimarer Republik. Schon 1930 folgte die Filmversion von Regisseur und Produzent Hans Tintner, mehrfach verboten und schließlich von der Zensur freigegeben.

Tintners Cyankali ist im Rückblick nicht nur ein zeithistorisch interessantes Sozialdrama über den Kampf um den Abtreibungsparagrafen und über die politisch und wirtschaftlich überaus schwierigen Verhältnisse im Deutschland der 1920/30er Jahre. Auch filmtechnisch ist der Film bemerkenswert, denn er dokumentiert augenfällig den Übergang von der Stummzeit in die Tonfilmära: Noch als Stummfilm begonnen, sind die letzten Minuten des Films stellenweise als Tonfilm produziert. In die Kinos kam „Cyankali“ dann seinerzeit in einer in weiten Teilen mit Musik unterlegten und mit Zwischentiteln versehenen Fassung.

In dieser Version erscheint der Film nun von Absolut Medien im Rahmen der Reihe „Arte Edition“. Die Ausstattung lässt keine Wünsche offen: Neben diversen Dokumenten auf zwei DVD-ROM-Teilen enthält die Doppel-DVD auch eine für das DDR-Fernsehen im Jahr 1977 inszenierte Fernsehversion von „Cyankali“, die TV-Diskussion „Probleme und Gedanken“ (die einen Tag nach der Ausstrahlung der TV-Fassung von „Cyankali“ im DFF ausgestrahlt wurde) und einen Radiobeitrag aus dem Jahr 1978.

Im 20-seitigen, schön bebilderten Booklet wird ein Abriss über die Geschichte des Abtreibungsparagrafen 218 und ein kurzer Einblick in die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse der Weimarer Zeit gegeben. Bemerkenswert ist der im Einleitungstext geäußerte politische Anspruch der Herausgeber, namentlich dem Filmmuseum Potsdam, das in seinen Einleitungsworten einen Bogen von 1930 in die Jetztzeit schlägt: Eine Verschärfung des § 218 würden rechtskonservative Kräfte, allen voran die Partei AfD, derzeit verstärkt fordern. Und hier gelte es für alle demokratischen Kräfte, entschieden Gegenposition zu beziehen. So betrachtet hat diese rundum gelungene DVD-Edition nicht nur historischen, sondern auch aufklärerischen Wert.
Bild: Absolut Medien

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