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gruener vorhang 250Das Filmarchiv Austria veranstaltet vom 04. bis 27. März 2022 im METRO Kinokulturhaus die Filmschau "Max Reinhardt und das Kino".

Sein Name sorgt schon zu Lebzeiten (1873–1943) für Bewunderung, sein Ruf als genialer Theatermacher reicht weit über die Landesgrenzen hinaus, und noch heute bürgt all das, was mit Max Reinhardt in Verbindung gebracht wird, für außerordentliche Qualität. Er verhilft dem Regietheater zum Durchbruch und revolutioniert die Arbeit mit den Schauspieler*innen, denen einzig und allein "das Theater gehört". Und er begeistert sich als einer der wenigen seiner Zunft für das junge Medium Film, dessen Möglichkeiten er bereits in den 1910er-Jahren auszuschöpfen und damit ein kulturbürgerliches Publikum anzuziehen beginnt.

Die Retrospektive präsentiert nicht nur die vier erhaltenen Regiearbeiten Reinhardts, sondern rückt anhand einiger ausgewählter Filme mit Blick auf "seine" Darsteller*innen den Einfluss dieses "Bühnenmagiers" in den Kontext des Kinos seiner Zeit.

Als Max Reinhardt zu Beginn der 1910er-Jahre zum ersten Mal hinter eine Kamera tritt, hat er sich als Schauspieler, Regisseur und Theaterleiter bereits einen Namen gemacht und der Bühne eine Frischzellenkur verpasst, indem er den vorherrschenden Naturalismus überwunden und auf sinnliche Inszenierungen gesetzt hat. Nun gilt es, selbiges mit den als "Kintopp" belächelten Vergnügungen auf der Leinwand anzustellen. Für "Das Mirakel" (D 1912), seinen lange verschollenen, vor Kurzem wieder aufgefundenen ersten erhaltenen Film, greift er auf ein populäres Stück von Karl Gustav Vollmoeller zurück und landet damit einen riesigen Erfolg. Nicht nur bei der Herstellung – gedreht wird etwa nicht im Studio, sondern an Originalschauplätzen in Wien und Umgebung –, sondern auch bei der Präsentation, bei der für Premieren exquisite Räumlichkeiten auserkoren und mit aufwändigen Bühnenbildern versehen werden sowie Chor und Orchester live auftreten, scheut man keine Kosten und Mühen. Auch seine beiden nächsten Arbeiten "Die Insel der Seligen" (D 1913) und "Eine venezianische Nacht" (D 1914) demonstrieren, welche Virtuosität dem neuen Medium Film entlockt werden kann. Für dessen Weg zur abendfüllenden wie anerkannten siebenten Kunst erweist sich Reinhardt somit als wichtiger Vorreiter.

Dennoch dauert es bis 1935, dass Reinhardt erneut als Regisseur für einen Kinofilm herangezogen wird. Die Vorzeichen haben sich inzwischen massiv geändert: politisch, technisch und geografisch. Gemeinsam mit William Dieterle inszeniert er für Warner Bros. in den USA Shakespeares "A Midsummernight's Dream" (1935) als Hybrid aus "Hollywood-Glamour und europäische Avantgarde, Bühnen-Gravitas und Filmtrickrausch" (Olaf Möller). Doch der Film wird zum finanziellen Fiasko und Reinhardts Name gilt fortan – zumindest was das Kino betrifft – als Kassengift. Immerhin ehelicht er zu dieser Zeit seine zweite Frau Helene Thimig.

Daran knüpft sich ein weiterer Strang dieses Programms, der den Schauspieler*innen Reinhardts gewidmet ist: Werner Krauß, Heinrich George, Attila Hörbiger, Johanna Terwin und eben Helene Thimig sind nur einige der Namen, die ihren Weg von der Bühne auf die Leinwand gefunden haben. Helene bildet wiederum gemeinsam mit ihrem Vater Hugo und ihren Brüdern Hans und Hermann Thimig eine "schwergewichtige" Theater- und Filmdynastie, die gerade im Bereich des populären Kinos reüssiert. Als Schauspieler haben alle genannten wesentliche Spuren hinterlassen und ihr Berufsbild auf ein neues Level gehoben. Kuratiert ist die Retrospektive von Florian Widegger. mehr
Textquelle: Filmarchiv Austria; Bild: Stummfilm Magazin