roter vorhang 10 250Die 22. Vergabe des Kinopreises des Kinematheksverbundes findet vor dem Hintergrund der Covid-19-Pandemie unter besonderen Bedingungen statt.

Da in 2020 kein durchgehender Spielbetrieb stattfinden konnte und die Kinos sich existenziellen Herausforderungen stellen mussten, wird der Kinopreis in 2021 vor allem im Sinne einer solidarischen Unterstützung vergeben. Das Preisgeld in Höhe von 30.000 Euro wird auf 26 Kinos verteilt, die für ihre Maßnahmen zur Bewältigung dieser Herausforderung Anerkennung verdienen.

Die Jury war nach Sichtung der Einreichungen beeindruckt von der Energie und Kreativität, mit der die Kinobetreiber*innen den Kontakt zu ihren Besucher*innen gehalten oder sogar ausgebaut hätten. Das Selbstverständnis des Kinos als eine der nahbarsten Kunst- und Unterhaltungsformen bestätige sich hier in besonderer Weise .

Für die Wahl der Preisträger hatte die Jury strukturelle Fragen ebenso wie die wirtschaftlich prekäre Situation vieler Kinos und ihrer Mitarbeiter*innen und Kollektivmitglieder diskutiert. Online-Kino und virtuelle Formate, die vielerorts entstanden, verdienten Anerkennung, sollten aber keinen Ersatz für das analoge Kino darstellen, sondern vielmehr in dessen Dienst stehen, das heißt einem neuen, unter Umständen sogar größeren Publikum trotz der digitalen Form Gemeinschaftserlebnisse ermöglichen.

Der Lotte-Eisner-Preis, die Spitzenauszeichnung des Kinematheksverbunds, wird in diesem Jahr unter solidarischen Gesichtspunkten auf vier Kinos verteilt. Weitere 22 Kinos werden für ihre Arbeit mit jeweils einem Preis in Höhe von 1000.- € honoriert. Der Lotte-Eisner-Preis in Höhe von jeweils 2.000 € gehen an folgende Kinos:

An das Filmforum Höchst, in einem prekären Vorort von Frankfurt am Main gelegen und Teil der Volkshochschule, das seinem Publikum trotz allem ein abwechslungsreiches Programm mit Filmreihen ("Plansequenz", "Kino der Weimarer Republik", "Fellini"), Festivals ("Cinebrasil" und "Cuba im Film") und Open-Air bot. Die Auszeichnung soll zudem als weitere Ermutigung nach dem vollzogenen Generationswechsel gelten.

Das Kommunale Kino Freiburg suchte in vielen verschiedenen Aktionen den Kontakt mit dem Publikum. Besonders hervorzuheben sind die "Living Walls Kinowanderungen", mit denen Kurzfilmprogramme (zum Teil mit Live-Klavierbegleitung) in die Innenhöfe der Stadt verlegt und auf Hauswände projiziert wurden. Das Programm im Kino selbst ermöglichte den Zuschauer*innen filmische Reisen, zum Beispiel mit Werken von Ulrike Ottinger.

Das Kommunale Kino Metropolis zeigte viel Eigeninitiative. Zu seinen Aktivitäten gehörten "Das gläserne Archiv" mit Videominiaturen aus dem Archiv der Kinemathek Hamburg, ein Adventskalenderquiz mit Freikartenverlosung, der Hamburger Kinokalender, die "Archivsprechstunde" und dann – zurück im Kino – die Filmreihe "Blick ins Archiv" mit 16mm- und 35mm-Kopien aus eben diesem Archiv.

Das Kommunale Kino Pforzheim dachte den Gedanken des Open-Air-Kinos besonders weit und setzte ihn auf originelle Weise um: Das Team organisierte nicht nur ein Autokino, sondern besuchte mit mobiler Projektionstechnik auch ein Kloster, eine Kirche, ein Museum, eine Schule und eine Autobahnbaustelle.

Den Ehrenpreis des Kinematheksverbundes erhält 2021 Jan-Christoper Horak für sein langjähriges Wirken im Bereich der kulturellen Filmarbeit. Er ist als Hauptredner auch Gast der diesjährigen Ausgabe des Filmerbe-Festivals "Film Restored".

Das Festival des Kinematheksverbundes widmet sich in diesem Jahr dem Thema »Cinematic Migrations« – dieses Motto könnte auch über dem Leben und beruflichen Wirken von Jan-Christopher Horak stehen. Schon als Kind zog der 1951 in Bad Münstereifel geborene Sohn tschechischer Emigranten mit seinen Eltern weiter in die USA, die Familie kehrte jedoch 1964 zunächst nach Deutschland zurück. Es folgten ein Studium in den USA und die Promotion an der Universität Münster mit der Arbeit "Anti-Nazi-Filme der deutschsprachigen Emigration von Hollywood 1939–1945" (1984). Von Horaks zahlreichen Publikationen seien aus dieser Zeit zwei gemeinsam mit Ute Eskildsen verfasste genannt, die das Interesse an den internationalen Verknüpfungen der Film- und Foto-Avantgarde andeuten: "Film und Foto der zwanziger Jahre" (1979) und "Helmar Lerski, Lichtbildner. Fotografien und Filme 1910–1947" (1982). Als Filmarchivar war Chris Horak danach in leitenden Positionen am George Eastman House und am Filmmuseum München tätig, bevor er zum Gründungsdirektor des Firmenarchivs der Universal Studios berufen wurde. Nach einem Zwischenstopp am Hollywood Entertainment Museum war er von 2007 bis 2019 Direktor des UCLA Film & Television Archive, des zweitgrößten Filmarchivs in den USA. Auch hier engagierte er sich für Filme und Filmemacher*innen mit diversem oder Emigrationshintergrund und initiierte Projekte wie "LA Rebellion: Creating a New Black Cinema" oder die Sicherung und Präsentation der spanischsprachigen Filme, die in Hollywood in den 1930er-Jahren produziert worden waren und deren Zielpublikum die Latino-Community in den USA wie auch der lateinamerikanischen Markt bildeten. Ein weiterer Arbeitsschwerpunkt von Horak war die amerikanische Filmavantgarde vor 1945, deren Protagonist*innen zum großen Teil aus Europa stammten oder von dortigen Filmschaffenden künstlerisch beeinflusst waren.

Zur Jury: Die fünfköpfige Fachjury wird für jeweils drei Jahre entsandt. Seit 2019 gehören Carolin Weidner (Verband der deutschen Filmkritik), Michael Höfner (AG Verleih), Doris Kuhn (Bundesverband kommunale Filmarbeit), Madeleine Bernstorff (Kinematheksverbund) und Philipp Aubel (Bundesverband Jugend und Film) der Jury an.

Aufgrund von Covid-19 konnte die Preisverleihung des Kinopreises 2021 nicht in den Räumen der Deutschen Kinemathek, Berlin, stattfinden. Stattdessen wurden die Preisträger mit einem Videoclip geehrt, der zusammen mit Fotos von den prämierten Kinos auf der Website der Kinemathek veröffentlicht wird. Der Kinopreis wird vom Kinematheksverbund verliehen. Der Kinopreis und das Filmerbefestival Film Restored werden durch Mittel der BKM ermöglicht. mehr
Textquelle: Deutsche Kinemathek; Foto: Stummfilm Magazin

Berlin

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Mit einer Sonderausstellung bis 02. Mai 2022 würdigt die Deutsche Kinemathek das komplexe Handwerk der Filmrestaurierung. mehr

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