cinefest logo 250Das XVII. Internationale Festival des deutschen Film-Erbes, das vom 13. bis 22. November 2020 als Präsenzveranstaltung in Hamburg geplant war, findet aus aktuellem Anlass nun mit einem veränderten Programm im Netz statt.

Auch der angeschlossene Internationale Filmhistorische Kongress vom 18. bis 21. November 2020 wird online abgehalten. Die Teilnahme ist per Livestream möglich. Das Festival steht in diesem Jahr unter dem Thema "Kino, Krieg und Tulpen – Deutsch-Niederländische Filmbeziehungen".

Wenn es um Fußball geht, gelten die Niederlande und Deutschland als Garanten für hochkarätige Spiele, doch filmwissenschaftlich wurden die Nachbarn bisher selten zusammen betrachtet. Dabei lohnt sich der Blick auf die Gemeinsamkeiten in der Filmgeschichte, sowohl auf der Produktions-, Personal- sowie der Rezeptionsebene. Die gegenseitige Darstellung, zwischen Klischees und Realität, ist ein wichtiger Bestandteil des cinefest 2020.

Bereits in den 1910er-Jahren waren deutsche Filme in Holland populär, so sind durch die Sammlung des Verleihers Jean Desmet im Amsterdamer EYE Filmmuseum viele Kopien des frühen deutschen Kinos erhalten. Dank der Filmsammlung von Huis Doorn gibt es zum Beispiel ein detaillierteres Bild von der Exilzeit von Kaiser Wilhelm II. Zwischen den Avantgarde- und Dokumentarfilmern in Berlin und Amsterdam bestanden enge Kontakte (Joris Ivens, Hans Richter, Walther Ruttmann). In den 1920er- und 30er-Jahren arbeiteten niederländische Filmschaffende in deutschen Ateliers oder stellten deutsch-niederländische Coproduktionen her. Populäre deutsche Filmstars wie Adele Sandrock, Lil Dagover und Ilse Werner stammen aus den Niederlanden bzw. deren Kolonien. So manche Holländer tummelten sich in den Studios in Berlin und Babelsberg (Truus van Aalten, Johannes Heesters, Lien Deyers, Frits van Dongen).

Für einige Filmschaffende war Amsterdam eine erste Exil-Station, so z.B. für Richard Oswald mit "Bleeke Bet", Hermann Kosterlitz mit "De Kribbebijter" sowie Detlef Sierck mit "Boefje". Die Filme entstanden zumeist in den Cinetone Studios (aus denen im Krieg die Ufa Filmstadt Amsterdam wurde). Ludwig Berger drehte mit "Ergens in Nederland" – einen Monat vor der deutschen Invasion 1940 fertiggestellt – einen der besten niederländischen Filme und überlebte die deutsche Besatzungszeit in Amsterdam. Der deutsche Produzent Rudi Meyer war zwischen den 1930er und 60er Jahren eine Schlüsselfigur in der niederländischen Filmproduktion. mehr
Textquelle und Bild: CineGraph - Hamburgisches Centrum für Filmforschung e.V.

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