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100 jahre stummfilm klassiker logo 250Am 05. Dezember 1919 wurde der Stummfilm "Die Puppe" uraufgeführt.

Ernst Lubitschs Komödie, in den Berliner Ufa-Union-Ateliers in Tempelhof produziert, gehört zu den großen Komödienklassikern der Stummfilmzeit. Ein an Spielfreude kaum zu toppendes Schauspieler*innen-Ensemble, zuvorderst die frech-sympathische Ossi "Backfisch" Oswalda, zündet ein Feuerwerk an Gags.

Mit seiner liebevoll-grotesken Ausstattung und der rasanten Inszenierung bietet der Streifen, der in einer sehr gut restaurierten Fassung vorliegt, auch heute noch ausgeprochen unterhaltsame 68 Minuten Filmspaß.

Autor Frank Hoyer stellt für die Stummfilm Magazin-Initiative 100 Jahre Stummfilm-Klassiker der Weimarer Republik den Film vor.

Die Puppe

leuchtreklame slapstick 250Märchenhaftes Chaos

Ernst Lubitsch hielt in einem Brief aus seinen letzten Lebensjahren „Die Puppe“ für einen seiner einfallsreichsten Filme, die er gemacht habe.

Im Mittelpunkt der Handlung steht die quirlige Ossi Oswalda. Sie spielt die Tochter eines Herstellers von mechanischen, ausgesprochen realitätsnahen Puppen (heute würde man das humanoide Roboter nennen). Als eine nach dem Ebenbild von Ossi gestaltete Puppe kurz vor der Auslieferung kaputt geht, springt die Tochter als deren Ersatz ein. Der gute Ruf von Papas Firma soll ja nicht beschädigt werden und eine neue mechanische Ersatzpuppe ist ja schnell zusammengeschraubt, so zumindest denken es sich die Beteiligten. Zum Entzücken des Publikums nimmt das Chaos auf der Leinwand dann erst richtig seine Lauf – bis alle Missverständnisse aufgeklärt sind und die echte Ossi unter der Haube kommt.

Der satirisch-groteske Film, sehr frei nach Motiven von E. T. A. Hoffmann, zündet nicht nur in den Spielszenen ein Dauerfeuerwerk an Gags, sondern auch durch seine Zwischentitel voller Wortwitz. Auch heute noch! Nur die katholische Kirche hatte wohl damals nichts zu lachen: Szenen in einem Kloster zeichnen nicht gerade ein vorteilhaftes Bild vom Lebenswandel der dortigen Mönche.

Der Film bescherte dem seinerzeit beliebten "Backfisch der Nation", der Schauspielerin Ossi Oswalda, eine Paraderolle. Oswalda war in einer Vielzahl von Lubitsch-Filmen im Mittelpunkt des Geschehens, unter anderem in den wahnwitzigen Komödien „Ich möchte kein Mann sein“ (D 1918) und die „Austernprinzessin" (D 1919). Der Übergang vom Stumm- zum Tonfilm gelang der einst berühmten Schauspielerin nicht. Sie starb vergessen und verarmt im Jahr 1947 in Prag.

Die meisten Kulissen des Films, kreiert von Kurt Richter, bestanden aus Pappe, einige sogar nur aus Papier. Gedreht wurde in den Berliner Ufa-Union-Ateliers in Tempelhof nach einem Drehbuch von Hanns Kräly und Ernst Lubitsch. Neben Kräly setzte der Regisseur auch bei dieser Produktion auf einen Stamm bewährter Mitarbeiter/innen, darunter der bereits genannte Ausstatter Kurt Richter und der Kameramann Theodor Sparkuhl. Der Film liegt in einer von der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung hervorragend restaurierten Fassung vor.

Autor: Frank Hoyer

Credits
Titel: Die Puppe
Regie: Ernst Lubitsch
Drehbuch: Hanns Kräly, Ernst Lubitsch
Kamera: Theodor Sparkuhl
Ausstattung: Kurt Richter
Darsteller: Ossi Oswalda, Hermann Thimig, Victor Janson, Jakob Tiedtke, Gerhard Ritterband, Marga Köhler, Max Kronert, Paul Morgan, Josefine Dora
Produzent: Paul Davidson
Produktionsfirma: Projektions-AG „Union“
Uraufführung: 05.12.1919, Berlin, Ufa-Palast am Zoo

Weitere Informationen zum Film
Wikipedia
Filmportal
IMDB