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mirzl hofer filmarchiv austria 250Das Filmarchiv Austria verzeichnete kürzlich eine bemerkenswerte Entdeckung aus der Pionierzeit des österreichischen Films in seiner Sammlung.

Bei dem Fund handelt es sich um ein über 110 Jahre altes Tonbild, auf dem die weltweit früheste Darbietung einer österreichischen Sängerin filmisch festgehalten wurde. Die Aufnahmen zeigen eine Interpretation des "Steinklopfer-Marsches" der steirischen Gesangskünstlerin Mirzl Hofer (geb. Maria Vidowitsch, 1877–1955) aus dem Jahr 1908.

Die in Graz geborene Sängerin tourte bereits ab der Jahrhundertwende als Natur-Jodlerin durch ganz Österreich. Ihre Liedinterpretationen wurden binnen kurzer Zeit mithilfe der Verbreitung von Tonwalzen und Schellackplatten, damals noch jungen Medien zur Tonaufzeichnung und -wiedergabe, bis weit über die Grenzen des Landes bekannt. Auch wenn ihr Werk mittlerweile in Vergessenheit zu geraten scheint, zählte Mirzl Hofer in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu den populärsten Musikexporten Österreichs. Sie kann daher durchaus als erster weiblicher Popstar Österreichs bezeichnet werden.

Das neu aufgefundene Filmdokument aus der Sammlung des Filmarchiv Austria zeigt eine Inszenierung des »Steinklopfer-Marsches« aus dem Jahr 1908 mit Mirzl Hofer als Protagonistin sowie vier weiteren NebendarstellerInnen, die in diesem frühen Musikvideo als Background-TänzerInnen fungieren. Konzipiert wurde die Darbietung als sogenanntes Tonbild, einer Frühform des Tonfilms. Tonbilder ermöglichten in der Frühzeit des Kinos durch mechanische Kopplung von Filmprojektor und Grammophon eine verblüffend realistische Reproduktion gesprochener oder gesungener Darbietungen und galten als technische Sensation.

In der 2019 durch das Filmarchiv Austria ausgeführten Restaurierung wurde die hauseigene Filmquelle des "Steinklopfer-Marsches" mit einer Schallplatte aus der Sammlung Familie Wegscheidler kombiniert. Eine der Herausforderungen bei der Restaurierung des Tonbildes bestand darin, die Bildfrequenz des Filmes an den Ton anzupassen. Dabei mussten Einzelbilder mitunter verdoppelt werden, um eine möglichst genaue Lippensynchronität zu erzielen. Diese Methode konnte erst mithilfe von modernen digitalen Restaurierungswerkzeugen erfolgreich gelöst werden.

Im Bestand des Filmarchiv Austria befindet sich eine der bedeutendsten Sammlungen an Tonbildern weltweit, die seit 2018 sukzessive restauriert wird. Auch das männliche Pendant, der wohl noch berühmtere Alexander Girardi (1850–1918), ist dabei mit neu entdeckten Tonbildern vertreten. mehr

Onlinetipp: filmportal.de hat im Jahr 2018 unter dem Slogan "Singende, sprechende und musizierende Films" eine Sammlung von digitalisierten Tonbildern aus der Frühzeit des Kinos online zugänglich gemacht. mehr

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