filmstreifen 06 gross farbig 250Mit dem geradezu als prophetisch zu bezeichnenden Film Die Stadt ohne Juden gingen am Sonntag, den 26. August 2018, die "34. Internationalen Stummfilmtage – Bonner Sommerkino" zu Ende.

Erschreckend aktuell wirkten die Plattitüden der Hetzer in den Zwischentiteln des österreichischen Stummfilms aus dem Jahr 1924, die sich kaum von den Phrasen heutiger Rechtspopulisten unterscheiden. Das Publikum im Arkadenhof zeigte sich nicht nur vom Szenario des Films, das schon fünfzehn Jahre später unter dem Naziregime bittere Realität werden sollte, tief bewegt, sondern auch von der flammenden Eingangsrede Nikolaus Wostrys, Leiter des Filmarchivs Austria und Restaurator des Films, der sich für ein Zusammenleben ohne Rassismus und Diskriminierung aussprach. So endete das Festival mit tosendem Applaus, der erst nach Minuten abebbte.

Insgesamt besuchten an den elf Fetivaltagen mehr als 25.000 Zuschauer/innen die Stummfilmtage. An manchen Abenden war der Andrang so groß, dass einige hundert Besucher/innen auf einen Nacheinlass zum jeweils zweiten Film warteten oder gar nicht mehr in den Arkadenhof gelassen werden konnten.

Zu den Höhepunkten des größten deutschen Stummfilmfestivals zählte der belgische Film Die Schwalbe und die Meise (1920) mit der atmosphärisch dichten, zauberhaften Begleitung durch die Harfenistin Elizabeth-Jane Baldry und den Multi-Instrumentalisten Stephen Horne, der auch für den aufwühlenden russischen Film Der Mann, der das Gedächtnis verlor (UdSSR 1929) ganze Klangwelten erschuf.

Sogar für eingefleischte Kenner sehr eindrücklich war die Vorführung des tschechischen Kurzfilms Spaziergang ins Blaue (1930): Auf Wunsch des Regisseurs Alexander Hackenschmied wurde der achtminütige Film ohne Musik, ganz stumm, gezeigt – acht Minuten, in denen man im Arkadenhof eine Stecknadel hätte fallen hören können. Und wer es eher pompös liebte, kam bei dem amerikanischen Monumentalfilm Ben Hur (1925) auf seine Kosten, das mit technischer Brillanz aufwartete und von dem Percussionisten Frank Bockius und Günter Buchwald am Flügel und auf der Violine fulminant begleitet wurde.

Ein weiteres Mal bestätigten die große Resonanz auf die unterschiedlichen Werke und ästhetischen Handschriften der Filmemacher wie auch die Euphorie, die das Publikum den vielseitigen und virtuosen Kompositionen und Improvisation der Musiker entgegenbrachte, das anhaltende Interesse am Bonner Sommerkino. Wie der Kurator der Stummfilmtage, Stefan Drößler, vor dem letzten Veranstaltungstag bereits andeutete, als er gemeinsam mit Magnus Rosborn vom Svenska Filminstitutet Stockholm den Film "Die Wallfahrt nach Kevelaer" vorstellte, ist die Programmarbeit für die nächste Ausgabe der Stummfilmtage bereits im Gange. „Es gibt nach wie vor zahlreiche Werke aus der Frühzeit des Kinos neu zu entdecken und zu restaurieren. Wir sind jetzt schon gespannt auf die Schätze, die in den Archiven der ganzen Welt noch gehoben werden und die wir dem Publikum im August 2019 beim 35. Bonner Sommerkino zeigen können,“ ergänzte Festivalleiterin Sigrid Limprecht.

Die 34. Internationalen Stummfilmtage – Bonner Sommerkino wurden veranstaltet vom Förderverein Filmkultur Bonn e.V. in Kooperation mit dem Filmmuseum München, der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, dem AStA Bonn, der Bonner Kinemathek und dem LVR-LandesMuseum Bonn, und unterstützt von der Bundesstadt Bonn, der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, der Film- und Medienstiftung NRW und der Bundesbeauftragen für Kultur und Medien (BKM).
Textquelle: Unter Verwendung der Presssemitteilung des Fördervereins Filmkultur Bonn e.V.; Foto: Stummfilm Magazin/Frank Hoyer

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