kopf im quadrat blau 250Von Arndt Pawelzcik

Meine Leidenschaft für Stummfilme erwachte mit „Die Passion der Jungfrau von Orleans“. Lange war der im Jahr 1928 gedrehte Film verschollen, dann tauchte überraschend eine Kopie in einer schwedischen Nervenheilanstalt wieder auf. Regisseur Carl Theodor Dreyers gelang es in seinem Stummfilm-Meisterwerk auf geniale Weise, Form und Inhalt deckungsgleich zu bekommen. Die klare Filmsprache und die intensive Erzählweise in vielen Großaufnahmen schlugen mich schnell in ihren Bann. Und nach der "Jungfrau" ich wollte mehr von der stummen Faszination haben …

Zu meinem „all-time-favourite“ hat sich dann über die Jahre und nach vielen Stunden Stummfilmgenuss Fritz Langs Zweiteiler „Die Nibelungen“ (D 1924) entwickelt. Nicht nur wegen der auch heute noch bemerkenswerten, präzise gefilmten Schauwerte – beispielhaft genannt sei hier nur der weltberühmte Kampf mit dem feuerspeienden Drachen –, sondern auch aufgrund der detailreichen Ausstattung von Otto Hunte, Karl Vollbrecht und Erich Kettelhut. Wie hier mit Oberflächentexturen, mit sorgfältig komponierten Strukturen und Ornamenten, mit Licht und Schatten gearbeitet wurde, erstaunt auch heute noch.

Musste ich in den 1970er-Jahren noch gezielt am Sonntagvormittag die ZDF-Matinee einschalten, um zumindest den einen oder anderen Stummfilm, von dem ich gelesen oder gehört hatte, überhaupt einmal zu Gesicht zu bekommen, so ist heute die Auswahl an DVDs durchaus erfreulich. Die Erfahrung, dass dabei die Qualität von Veröffentlichung zu Veröffentlichung in punkto Bildrestaurierung, Authentizität,, Musikbegleitung und Bonusmaterial großen Schwankungen unterliegt, hat sicher jede/r Stummfilm-Sammler/in schon gemacht. Und ein Wermutstropfen ist auch heute noch, dass wenn man den Trampelpfad der großen Klassiker oder bedeutenden Regisseure verlässt, das Stummfilmangebot schnell dünn wird. Hier wäre von den Rechteinhabern mehr Mut bei der Veröffentlichung von Raritäten aus der Frühzeit des Kinos zu wünschen. Aber zum Glück gibt es ja auch die kleinen und großen Stummfilmfestivals, genannt seien hier nur die Bonner Stummfilmtage im grandiosen Arkadenhof, die immer wieder cineastische Schätze auf die Leinwand zaubern.

Arndt Pawelzcik ist Lehrer für Geschichte und Englisch, Autor und ein profunder Kenner der Stummfilmgeschichte
Bild: Stummfilm Magazin

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