hoyer 250Von Frank Hoyer

Kennen Sie noch das Super-8-Heimfilmformat? Es wurde in den 1960er-Jahren von der Firma Kodak aus dem damals durchaus auch schon populären 8mm-Format entwickelt. Der schmale Filmstreifen ermöglichte einem Heer von Hobbyfilmern, günstig und einfach bewegte Aufnahmen in wunderbaren Farben von privaten und öffentlichen Ereignissen zur Vorführung in den eigenen vier Wänden zu bringen.

Warum ich Ihnen das erzähle? Auch wenn der Stummfilm in den deutschen Kinos Anfang der 1930er-Jahre sein Ende fand, war er im Heimkino über weite Strecken des 20. Jahrhunderts noch eher die Regel, denn die Ausnahme. Tonfilm-Equipment für den Hobbyfilmer wurde, vor allem aus technischen, praktischen und Kosten-Gründen, nie ganz so populär wie die stummen Geräte. Auf der heimischen Leinwand (wahlweise Perl- oder Silberoberfläche, gelegentlich auch ein weißes Bettlaken) wurde also die Lippen bewegt, ohne das etwas zu hören war, und Autos fuhren vorbei ohne Lärm zu machen. Dafür war vor der Leinwand das begeisterte Kommentieren des Gezeigten und das Lob für den Hobbyregisseur („Du hättest zum Film gehen sollen!“) oftmals um so lauter.

Noch nicht einmal zehn Jahre alt, in der ersten Hälfte der1970er-Jahre, entdeckte ich den verstaubten Projektor und die Schmalfilme meines Vaters. Darunter auch einige sogenannte Kauffilme; das waren in der Regel Ausschnittsfassungen aus kommerziellen Spiel- und Kurzfilmen. In meinem Fall Streifen mit „Dick und Doof“ und Charlie Chaplin. Meiner Schwester war die Idee zu verdanken, dazu mit ihrem Plattenspieler (das tragbare Philips-Modell Typ 423 in blau, heute ein Kultobjekt) „richtig coole“ Musik laufen zu lassen. Philadelphia-Sound und so. Und ja, die Soundkulisse passte recht passabel zum Geschehen, auch wenn mitunter in besonders dramatischen Stellen besonders langsame Musikstellen zu hören waren.

Kennen Sie C3-PO? Schon als Teenager fiel mir die Ähnlichkeit des Roboters zu Fritz Langs „Maschinenweib“ in seinem fulminanten „Metropolis“ (D 1927), von dem es in Büchern und Zeitschriften immer mal wieder beeindruckende Fotos gab, auf. Wie gerne hätte ich diesen alten Film, der offensichtlich auch noch 50 Jahre nach seiner Entstehung als Inspirationsquelle für einen Kassenmagneten wie „Krieg der Sterne“ diente, gesehen, Als Kauffilm in Super-8 gab es eine Kurzfassung des Streifens, aber das war aus dem Taschengeld nicht zu finanzieren.

Kennen Sie noch Beta? Es war das Konkurrenz-Videoformat von VHS-Video (das Sie in Zeiten von Bluray und Netflix vielleicht überhaupt mehr kennen möchten). Im Fernsehen lief um 1980 die vom Filmarchiv der DDR rekonstruierte Fassung von „Metropolis“. Und unser Beta-Rekorder schnurrte dabei fleißig vor sich hin. Endlich konnte ich mir den großen Klassiker anschauen, wann immer ich es wollte. Meine Liebe zum Stummfilm war erwacht.

Frank Hoyer ist Herausgeber von www.stummfilm-magazin.de.

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