weimar 2021 rueckblick 1 250Die dritte Ausgabe der jährlich stattfindenden Weimarer Stummfilm-Retrospektive rückte – wie auch schon zuvor – Stummfilme, die vor hundert Jahren die Weimarer Kinospielpläne bestimmten, in den Mittelpunkt.

Highlight war am 04. September 2021 die Uraufführung einer neuen, opulenten Musik von Richard Siedhoff zu "Der müde Tod" (D 1921) .

"Die Musik schmiegte sich bereits bei den ersten erklingenden Tönen wie eine zweite Haut an Fritz Langs frühes Meisterwerk an, gerade so, als ob sie vom eigenwilligen Regisseur höchstselbst beauftragt worden wäre. Die vom Komponisten gewählte Tonsprache war in seiner Grundstruktur den Gepflogenheiten der Entstehungszeit des Films verpflichtet und griff großzügig auf die Stilelemente der Spätromantik zurück. Doch plötzlich erklang auch etwas an Gershwin erinnernde Swing-Elemente und dann etwas Modernes. Und so war die Musik für die Zuhörer*innen immer wieder überraschend und abwechslungsreich", so unser Autor Frank Hoyer in seinem Rückblick auf die Veranstaltung. ganzen Nachbericht lesen
Foto: Markus Lippmann

rumpler tropfenwagen 1 250Bei der Deutschen Automobilausstellung im Herbst 1921 wurde das außergewöhnliche Gefährt offiziell der Öffentlichkeit vorgestellt.

Aufgrund des seinerzeit spektakulären, aerodynamischen Designs hatte dessen Erfinder, der in Wien geborene Edmund Elias Rumpler, das Fahrzeug "Tropfenwagen" genannt. Bekannt ist das Automobil noch heute auch aufgrund seines Einsatzes in Fritz Langs monumentalen Science-Fiction-Film "Metropolis" (D 1927). Stummfilm Magazin stellt den einzigartigen "Tropfenwagen" vor. mehr
Foto: Stummfilm Magazin

filmspule bunt 250 2Der deutsche Schauspieler und Sänger Hans Albers wurde am 22. September 1891 in Hamburg geboren.

In der Stummfilmära war er in rund hundert Filmen zu sehen, oftmals als Schurke oder Liebhaber. Seine bekanntesten Streifen aus dieser Zeit sind Vorderhaus und Hinterhaus (D 1925) von Richard Oswald und Asphalt (D 1929) von Joe May. Mit Beginn des Tonfilmzeitalters wurde er einer der beliebtesten deutschen Schauspieler.

Trotz seiner recht offenen Ablehnung des Nationalsozialismus wirkte er an einigen aufwändigen Spielfilmen aus der Nazizeit mit, unter anderem in den Agfacolor-Filmen Münchhausen und Große Freiheit Nr.7. Einige der von ihm in Filmen interpretierten Lieder wie "Auf der Reeperbahn", "Goodbye Johnny" und "Jawohl, meine Herr´n" sind Evergreens. Albers starb am 24. Juli 1960 im bayerischen Kempfenhausen. mehr
Foto: Stummfilm Magazin

filmstreifen 03 250Am 21. September 1866 wurde der englische Schriftsteller H. G. Wells geboren. Besonders seine utopischen Romane inspirierten Generationen von Filmemacher*innen.

So drehte Kinopionier Georges Méliès im Jahr 1902, unter anderem nach Motiven von Wells "Die ersten Menschen auf dem Mond", seinen fantasievollen Filmklassiker Die Reise zum Mond, ein herausragendes Frühwerk des Science-Fiction-Genre. Wells starb am 13. August 1946 in London. mehr
Foto: Stummfilm Magazin

leinwand lyrik ralph turnheim 250 4Die Österreich-Premiere des neuen Programms von Leinwand-Lyriker Ralph Turnheim findet am 24. September 2021 in den Wiener Breitenseer Lichtspielen statt.

Zusatzvorstellungen gibt es am 25. und 26. September 2021. Live mit dabei ist bei allen drei Terminen der Stummfilmpianist Gerhard Gruber. Der 1910 veröffentlichte, erste "Frankenstein"-Film der Kinogeschichte entstand unter der Regie von James Searle Dawley in den New Yorker Edison Studios und wird bei der nun 111 Jahre späteren, sprachlich veredelten Leinwand-Lyrik-Premiere in einer neuen, nie zuvor gezeigten Filmkopie präsentiert. mehr Trailer auf YouTube

Lesetipp: Stummfilm-Magazin-Interview mit Ralph Turnheim zu "Frankenstein". mehr
Foto: Clemens Molinari

filmmuseum berlin 250Am 19. September 2021 öffnet die Deutsche Kinemathek am Potsdamer Platz in Berlin ihre Türen für einen "Sonntag der bewegten Bilder".

Neben einem Trickfilmworkshop, einer Drehbuchlesung und einigen anderen Aktionen gibt es auch ein Freiluftkino im Forum des Sony Centers. Zu sehen sind dort unter anderem die Stummfilme "Berlin. Die Sinfonie der Großstadt" (D 1927) und "Menschen am Sonntag" (D 1930). Weitere Informationen und die Hygieneregeln findet man hier.
Foto: Stummfilm Magazin

filmstreifen 08 250 buntBegleitend zur Ausstellung "Impressionismus in Russland. Aufbruch zur Avantgarde" im Museum Barberini zeigt das Filmmuseum Potsdam unter dem Slogan "Stadt, Land, Revolution" eine Auswahl von sowjetischen Stummfilmen.

Am Samstag, den 18. September 2021, ist um 19.00 Uhr "Der Mann mit der Kamera" (UdSSR 1929) mit Livemusik von Brueder Selke zu erleben. Unter Verzicht auf gängige Stummfilmelemente und unter Verwendung von Überblendungen, Split Screens und Animationen verdichtet der Avantgardist Dziga Vertov Aufnahmen, die über einen Zeitraum von drei Jahren in Kiew, Odessa und Moskau entstanden, zu einer temporeichen Beschreibung des Lebens in der Großstadt. Die Kamera bleibt dabei immer sichtbar, wird zum Mittelpunkt des Geschehens. Mit ihr rast der Zuschauer durch Straßen, tummelt sich auf Plätzen, begleitet die Arbeiter*innen in die Fabriken, in ihre Wohnungen und – selbstverständlich – ins Kino.

Die Musik der Brüder Sebastian und Daniel Selke folgt einem minimalistischen Ansatz von Komposition und Improvisation. Sie bewegt sich zwischen Avantgarde und Pop und schließt Elemente von Jazz, Ambient und klassischer Kammermusik ein. Brueder Selke sind die Initiatoren des internationalen Potsdamer Musikfestivals "Q3 Ambientfest".

Bei Vorlage einer Eintrittskarte des Museums Barberini gewährt das Filmmuseum Potsdam ermäßigten Eintritt zu den Filmen der Reihe. Bei Vorlage eines Tickets der Filmvorführungen gewährt das Museum Barberini ermäßigten Eintritt in die Ausstellung "Impressionismus in Russland". mehr
Textquelle: Filmmuseum Potsdam; Foto: Stummfilm Magazin

filmstreifen 08 250 buntDer amerikanische Filmproduzent Irving Thalberg starb am 14. September 1936 im Kalifornischen Santa Monica.

Tahlberg war am Anfang seiner Karriere bei den Universal Studios, später dann bei Metro-Goldwyn-Mayer (MGM) tätig. Unter seiner Kontrolle entstanden Stummfilm-Klassiker wie Törichte Frauen (1922), Der Glöckner von Notre Dame (1923), Ben Hur (1925) und The Big Parade (1925).

Tahlberg war Gründungsmitglied der Academy of Motion Picture Arts and Sciences. Die Academy verleiht ihm zu Ehren sei 1938 den Irving G. Thalberg Memorial Award an bedeutende Filmproduzenten. Thalberg wurde am 30. Mai 1899 in Brooklyn (New York) geboren. mehr
Foto: Stummfilm Magazin

braunschweig filmfestival 2021 250Mit der Uraufführung der für großes Orchester rekonstruierten Originalmusik zu "Der Golem, wie er in die Welt kam" startet das Braunschweig International Film Festival (BIFF) am 01. November 2021.

Der große, einflussreiche Klassiker des Weimarer Kinos, der am 29. Oktober 1920 in Berlin seine Premiere hatte, konnte annähernd hundert Jahre lang nicht mit seiner Originalmusik aufgeführt werden. Die Partitur von Dr. Hans Landsberger galt als verschollen, der jüdische Komponist, der 1941 in einem Internierungslager starb, geriet in Vergessenheit.

2018 entdeckte der Stummfilmmusiker Richard Siedhoff (Foto) die Komposition  wieder – jedoch nur die Klavierdirektion mit einigen Stimmenfragmenten. Er rekonstruierte die fehlenden Teile und schuf eine Version für großes Orchester, die nun erstmals in Braunschweig live erklingen wird. Für seine herausragende Arbeit wurde Siedhoff 2020 mit dem Deutschen Stummfilmpreis ausgezeichnet.

richard siedhoff 2 250"Landsberger steht ganz in der Tonsprache seiner Zeit. Die Musik ist durchweg spätromantisch, jedoch an vielen Stellen sehr eigenwillig in der Harmonik und den Effekten. Sie bewegt sich auf ausgesprochen hohem musikalischen Niveau und streift dabei gerne hin und wieder die Moderne. Es gibt Passagen, die erinnern stark an Wagner, dann an Brahms, dann kommt eine parodistische Gavotte und überschwängliche Liebesszenen. Die Golem-Figur selbst wird martialisch begleitet, mit stampfenden Tritonus und Wechselbass. Also eindeutig etwas für die Pauke, um das Stampfen des Koloss zu untermalen", so Siedhoff über die Musik.

Bei der "Golem"-Premiere im Großen Haus des Staatstheaters Braunschweig wird das Staatsorchester Braunschweig unter Leitung des renommierten Stummfilm-Dirigenten Burkhard Götze spielen. Gezeigt wird eine vom Filmmuseum München aufwändig erstellte Rekonstruktion des Film, die in weiten Teilen auf einem Originalkameranegativ beruht, das in der Cinematek – Royal Belgian Film Archive verwahrt wird.

Das BIFF zeigt vom 01. bis 07. November eine facettenreiche Auswahl an Kurz- sowie Langfilmen und wird erstmals in seiner Geschichte mit einem hybriden Veranstaltungskonzept durchgeführt. mehr
Bilder: BIFF (Logo), privat (Richard Siedhoff)

filmklappe blau 250 neuAm 30. September 2021 öffnet in Los Angeles das Academy Museum of Motion Pictures erstmals seine Pforten.

Auf ca. 30.000 qm bietet es ein Kino, einen Museumsshop, museumspädagogische Programme und natürlich einzigartige Exponate aus der Geschichte des internationalen Films in seinen Dauer- und Sonderausstellungen. Die Besucher*innen können sich bei ihrem Rundgang, der auch interaktive Präsentationsformen beinhaltet, mit der Geschichte, Technologie, Kunst, Filmschaffenden und den gesellschaftlichen Auswirkungen des Kinos auseinandersetzen.

Entworfen wurde das zweiteilige Bauwerk von dem berühmten Architekten Renzo Piano. Unterstützt wird das Museumsprojekt unter anderem von den Regisseuren Steven Spielberg und George Lucas. mehr
Bild: Stummfilm Magazin

kopfhoerer 250Der Podcast "Auf den Tag genau" präsentiert täglich eine Zeitungsnachricht aus der Welt vor hundert Jahren.

"Aus dem Kiez in die Welt, von der Oper in den Boxring – mit täglich einer Zeitungsnachricht aus der Hauptstadtpresse heute vor 100 Jahren tauchen wir ein in die Fragen und Debatten, die das Berlin von damals bewegten", so die Macher des Angebots.

Der Stummfilm ist ein immer mal wieder aufgegriffenes Thema. Zu hören gibt es beispielweise Features zur Wirkmacht des Stummfilms ("Fiebertraum" eines Kolumnisten, der eine Welt imaginiert, in der alle in Filmgeschichten leben) und über die oft prekäre Situation von Filmstatist*innen in der Frühzeit des Kinos.

Auch eine Kritik zu Asta Nielsens Erfolgsfilm Hamlet (D 1921) aus dem Berliner Tageblatt oder ein Artikel über den Zwischentitellosen Film im Zusammenhang mit Lupu Picks expressionistischen Kammerspiel "Scherben" (D 1921) ist abrufbar. zum Podcast
Foto: Stummfilm Magazin

filmspuele lila 250Die dänische Schauspielerin Asta Nielsen wurde am 11. September 1881 in Kopenhagen geboren. Sie gilt als einer der ersten großen internationalen Filmstars der Kinogeschichte.

Ihr Leinwanddebüt gab Asta Nielsen in der dänischen Produktion Abgründe aus dem Jahr 1910, der auf Anhieb ein enormer Erfolg wurde und zu den Meilensteinen des erzählenden Kinos gehört. Legendär ist in "Abgründe" eine Tanzszene, in der sie in aufreizender Weise einen Mann umwirbt.

Asta Nielsen beherrschte souverän sowohl das dramatische als auch das komische Fach. Mit Beginn der Tonfilmära beendete sie ihre Karriere und wirkte, bis auf eine Ausnahme im Jahr 1932, an keinem Film mehr mit. Sie starb am 25. Mai 1972 in Frederiksberg (Dänemark). mehr
Foto: Stummfilm Magazin

filmstreifen 02 250Der französische Regisseur und Drehbuchautor Eugène Deslaw starb am 10. September 1966 in Nizza.

Heute ist Deslaw vor allem für seine zwei mit dem Kameramann Boris Kaufman gestalteten, avantgardistischen Kurzfilme La marche des machines (F 1927) und Montparnasse (F 1929) bekannt. Auch war er als Regieassistent bei Abel Gances monumentalen Biopic Napoléon (F 1926) im Einsatz. Eugène Deslaw wurde als Jewgeni Slawtschenko am 08. Dezember 1898 in Kiew geboren. mehr
Foto: Stummfilm Magazin

filmstreifen 08 250 buntSilentFilmDj D'Dread wird am 10. September 2021 in Leipzig und am 17. September 2021 in Pforzheim "Die Abenteuer des Prinz Achmed" live vertonen.

Der Scherenschnitt-Animationsfilm wurde am 02. Mai 1926 in der Berliner Volksbühne uraufgeführt. Filmemacherin Lotte Reiniger entwickelte aus Motiven der Tausendundeine-Nacht-Erzählungen einen Märchenfilm voller visueller und erzählerischer Poesie. An der Produktion waren unter anderem Walter Ruttmann und Reinigers Ehemann Carl Koch beteiligt. "Die Abenteuer des Prinzen Achmed" ist der weltweit älteste noch erhaltene Animations-Langfilm und zählt zu den großen Klassikern des Weimarer Kinos. mehr
Foto: Stummfilm Magazin

buchwald 2 fotonachweis klaus polkowski 250Als diesjähriges Abschlussevent ("closing night") des international einflussreichen Stummfilmfestivals Giornate del Cinema Muto Pordenone wird der französische Ausstattungsfilm "Casanova" mit der Neufassung einer Orchester-Komposition von Günter A. Buchwald als Uraufführung zu erleben sein.

Das Stummfilmkonzert am 09. Oktober 2021 im Teatro Verdi wird am darauffolgenden Tag wiederholt. An beiden Vorstellungen wird die 2021 erweitere Musikfassung der 2019 komponierten Musik für großes Orchester erklingen. Projiziert wird eine digitale Restaurierung, die von der Cinémathèque Française 2016 erstellt wurde. In der opulenten Produktion, die im Juni 1927 in Paris Premiere hatte, spielte Ivan Mosjoukine die titelgebende Hauptrolle. Regie führte Alexander Wolkoff. Die beeindruckenden Außenaufnahmen fanden in Venedig statt. mehr

Interview mit Günter A Buchwald zu seiner "Casanova"-Musik

Film und Musik werden zudem im Rahmen eines Stummfilmkonzerts beim Festival Lumière am Mittwoch, den 13. Oktober 2021, im Auditorium Lyon zu sehen und zu hören sein. Hier spielt das Orchestre Nationale de Lyon unter Leitung des Komponisten. mehr

Der Dirigent, Pianist, Violinist und Komponist Günter A. Buchwald (Freiburg im Breisgau) zählt zu den Pionieren der Stummfilmrenaissance. Seit Jahrzehnten begleitet er Stummfilme, ob in Kinos oder auf Stummfilmfestivals weltweit, etwa in Bonn, Zürich, Nottingham und New York. Als Dirigent tritt er unter anderm mit dem Octuor de France, Philharmonischen Orchester Freiburg, Island Symphonic Orchestra und Tokyo Metropolitan Symphony Orchestra auf. mehr

Das Stummfilmfestival in Pordenone findet in 2021 zum mittlerweile 40. Mal statt. Es beginnt am 02. und endet am 09. Oktober 2021. Neben "Casanova" werden unter anderem die letzte Produktion des französischen Filmkomödianten Max Linder, der italienische Fantasy-Streifen "Maciste in der Hölle" (1925) und der Lubitsch-Film "Lady Windermeres Fächer" (USA 1925) zu sehen sein. Fortgesetzt wird in diesem Jahr auch die Würdigung von Frauen im Filmbusiness.
Foto: Klaus Polkowski

Zeughauskino Berlin

stummfilmtage bonn 250a

Um Lust und Lachen im amerikanischen Stummfilm der 1920er Jahre geht es in der Filmreihe "Flapper, It-Girls, Funny Ladies", die von 17. September bis 19. Dezember 2021 im Zeughauskino Berlin zu sehen ist. mehr

Jubiläum

filmstreifen gelb 03 250

Das international bedeutende Stummfilmfestival "Le Giornate del Cinema Muto" wird jedes Jahr in Pordenone veranstaltet, in 2021 zum 40. Mal. mehr